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13.10.2008 von Hubs.
1978 war ein gutes Jahr für die Musik. Billy Joel veröffentlichte “52nd Street”, die Bee Gees kamen mit “Staying Alive” auf Platz 1 nicht nur der US-Charts, Genesis verkleinerten sich auf drei Mitglieder und gaben das allen bekannt (”And Then There Were Three”), Gary Moore versuchte wieder einmal ein Comeback (”Back On The Streets”), 10cc veröffentlichte das Album “Bloody Tourists”, aus dem bis heute “Dreadlock Holiday” gespielt wird, Bob Marley spielte “Babylon By Bus” ein, Queen und Ry Cooder kamen unabhängig voneinander mit “Jazz” auf den Markt, MMW gröhlte “Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz”, Birth Control, Little Feat, Alan Parsons Project (”Pyramid”), ACDC und Styx brachten LPs auf den Markt, und Frank Zappa brillierte mit “Studio Tan”. Und dann kam Al Stewart mit “Time Passages”. Nicht nur der Titelsong, auch “Song On The Radio” und “Almost Lucy” sind bis heute gerne gespielte Titel, wunderbar dahingleitende Balladen, die als Hintergrundmusik jeden romatischen Abend verschönern können.

Dreißig Jahre später sind von den genannten Musikern noch Billy Joel, Phil Collons, Gary Moore und ACDC aktiv. Und seit kurzem auch wieder Al Stewart. Im Prinzip kann man “Year Of The Cat” oder auch “Time Passages” einfach weiterlaufen lassen, irgendwie wird daraus automatisch “Lord Salisbury”, das erste Stück auf seiner neuen CD “Sparks Of Ancient Light”. Hier hat sich nichts geändert. Weder die Tonlage der Stimmen oder Instrumente, noch die generelle Abfolge der Akkorde. Es plätschert auch heute noch genau so gefällig daher wie schon die alten Lieder. Nur - wir sind heute 30 Jahre weiter, und irgendwie hätte ich erwartet, dass Al Stewart auch neuere Strömungen mit aufnimmt. Irgendwie kommt da das Gefühl auf, dass AS einfach nur eine CD veröffentlicht hat, um wieder einmal ins Gespräch zu kommen.
Fazit: Für eingefleischte Al Stewart-Anhänger sicher ein wichtiges Stück Musikgeschichte, für alle anderen ein interessantes Beispiel für Konservativismus, der im Grunde nichts anderes ist als Stillstand.
Trotzdem: Heut geht’s mir gut! ![]()
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26.5.2008 von Hubs.
Was passiert, wenn zwei “alte Freunde” sich nach längerer Zeit wieder einmal zusammen tun, um etwas gemeinsames zu produzieren? So lange es sich um “ordinary people” handelt, wahrscheinlich nichts oder nur sehr wenig. Etwas anderes aber ist es bei Oliver Bierlich und Jonas Christiansen. Der letztere ist hauptsächlich als DJ der House-Scene in Kopenhagen bekannt, während Bierlich sich durch eine längere Liste von Veröffentlichungen, aber auch als DJ und bei Live Acts einen Namen gemacht hat. Auf dieser Platte tritt er unter seinen Pseudonymen Oryx und Reefer Decree in Erscheinung.
Liste der Titel:
01. Oliver Jones - Intro
02. Oliver Jones – Misty Morning
03. Oliver Jones – Club Velour
04. Oryx – Horn Control (Jaw Control Remix)
05. Oliver Jones – Aurora
06. Ojos De Brujo - Nr Ventilaor R 80 (Mochila Remix)
07. Oliver Jones – Picking Up The Pieces
08. Oliver Jones – Money In The Pocket
09. Oliver Jones – Dynasty Dundee
10. Oliver Jones – Benchmark Modesty
11. Reefer Decree – 7 Minutes
Diese Platte besteht nicht aus 11 gleichgestrickten Titeln, jeder einzelne Track ist ein Werk für sich. Durch diese Diversität macht es Spaß, die Platte anzuhören. Ob als reine Hintergrundmusik zum Chillen oder als Downbeat Tanzmusik - sie ist immer einsetzbar. Was will man mehr?
Heut geht’s mir gut! ![]()
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1.3.2008 von Hubs.
Manchmal findet man in dem ungeheuren Wust an mehr oder weniger wichtigen Informationen - genannt Internet - auch kleine, feine Sites, Informationen, Bilder oder auch Musik, die richtig Spaß machen. Heute möchte ich über einen solchen Fund berichten, über den ich letzte Woche gestolpert bin. Bei Recherchen für einen anderen Artikel über Elton John bin ich wegen eines Schreibfehlers auf eine Seite gestoßen, die ein Werk namens “Eminelton” anbot. Kostenfrei zum Download natürlich. Da das mit dem deutschen Urheberrecht nicht ganz in Einklang steht, veröffentliche ich die Seite hier nicht, aber wenn man den Begriff gockelt, kommt man schon zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.
Jetzt habe ich den Vorteil, dass ich sowohl Sir Elton John als auch Eminem zu meinen Lieblingsmusikern zähle - jeden zu seiner Zeit. So gibt es keine bessere Musik fürs Powerwalken oder Joggen als Eminem. Für einen gemütlichen Abend zu zweit oder mit Freunden passt dafür Elton John besser.
Wenn man die Äußerungen von Eminem über Schwule kennt, dann kann man es sich nicht vorstellen, dass ausgerechnet Elton John für Eminem in mehr als einer Diskussion das Wort ergriffen hat, sich sogar selbst als “Fan” von Eminem bezeichnet und Eminem in eine Reihe mit Jimi Hendrix gestellt hat. Der etwas schräge DJ Crazy Chris hat sich nun die Werke von Elton John geschnappt und sie mit passenden Titeln von Eminem verschmolzen.
Auf der MySpace-Seite von DJCC ist übrigens ein Link auf den Download, und er muss ja wissen, ob das rechtens ist
Falls alles klappt kann man sich hier die Titel der CD anhören:
Anfangen muss man hier ganz klar mit “You Don’t Know Rocket Man”, der von einem 50 Cent-typischen Bass dominiert wird, in den dann ganz subtil die schöne Melodie des “Rocket Man” eingeschnitten wurde. Große Kunst.
Sehr gut gelungen ist auch “Cleaning Out The Yellow Brick Road”, ein Blend von “Cleaning Out My Closet” und “Yellow Brick Road”, in dem die Spezifika beider Musiker zu einem guten, allerdings sehr hart geschnittenen Ganzen zusammenfließen. Witzig ist der Anfang, in dem “Yellow Brick Road” Stück für Stück, fast unmerklich verlangsamt wird, bis es mit dem Eminem-Titel zusammenpasst.
Ebenfalls aus einem Guss ist “Sing For The Levon”, bei dem man zwar die Ursprünge heraushört, bei dem aber Eminems Part so hervorragend eingearbeitet wurde, dass man, wenn man die beiden Originale nicht kennt, dieses Stück als Original annehmen könnte. Klasse gemacht.
Ganz gemein verhält es sich bei “Are You Ready For The Real Slim Shady”, bei dem verschiedene Eminem-Titel gemixt und mit einer unauffälligen Klaviermelodie unterlegt wurden. Ich jedenfalls weiß nicht, auf welchen Elton John-Titel hier referenziert wird.
Witzig und zum Tanzen einladend ist “Sad Songs Shake That” mit Nate Dogg. Auch dieser Titel hört sich an, als ob “Sad Songs” generisch für D-12 geschrieben worden wäre. Leider ist der Übergang zu “Without My Sacrifice” so Eminem-typisch brutal gemischt - mitten in dem Titel taucht der altbekannte Pistolenschuss auf - dass “Sad Songs” dadurch an Wirkung stark verliert.
Als letztes Stück möchte ich hier noch “I’m Still Standing For The Encore” erwähnen. In diesem Titel wurden wieder alle relevanten Elemente von Eminem, 50 Cent und Dr. Dre mit ihrem unterliegenden, dröhnenden Bass mit dem melodischen, fast zarten “I’m Still Standing” vermischt. Und wiederum zeigt sich das Können von DJ Crazy Chris.
Soll ich ein Fazit über eine CD ziehen? Klar, in diesem Fall mache ich das:
Heut geht’s mir gut!
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29.2.2008 von Hubs.
Inzwischen ist ja auch bei der Lufthansa die Möglichkeit eingekehrt, sich per music-on-demand aus einer großen Menge von CDs die gewünschte Musik auszusuchen. Ich nutze dieses Angebot, um innerhalb einer Abteilung einfach irgend etwas auszuwählen und so etwas Neues kennen zu lernen. Normalerweise bleibe ich dann zwar bei etwas Altbekanntem hängen, vor kurzem aber bin ich dabei über das Zodiac Trio von John-Dennis Renken gestolpert. Dieses Jazz-Trio hätte ich ohne zusätzliche Infos nach Amerika oder England, nie aber nach Deutschland platziert. Dabei kommen sie aus dem Ruhrgebiet, genauer gesagt aus Essen.
Hier kommen einem sphärische Klänge entgegen, fast elegische Melodien, getragen von der Trompete, die aber immer wieder durch harte Schlagzeug-Beats und Riffs einer E-Gitarre unterbrochen werden. Diese Musik ist nicht gefällig, sie strengt an, aber es macht Spaß, sie anzuhören. Einen ersten Eindruck davon kann man sich auf der MySpace-Seite von John-Dennis Renken machen. Für die, die nicht wechseln wollen, habe ich am Ende des Textes den Player eingebunden.
Fazit: Ich werde irgendwie versuchen, auf einem der unzähligen Gigs, die das Trio in nächster Zeit hat, an eine CD zu kommen.
Heut geht’s mir gut! ![]()
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21.2.2008 von Hubs.
Bei meinen Wanderungen durch das Internet-Dickicht bin ich bei Jamendo wieder einmal fündig geworden, allerdings eher im kuriosen Sinne denn in einem geschmacklich positiven. Beim “Reinhören” in die neuen Veröffentlichungen bin ich über das Album “Towards The Limits” der Gruppe SUNN gestolpert.
Und so, wie ich es schon in der Überschrift geschrieben habe hört sich das Album auch an: Wie ein Maschinengewehr bearbeitet der Drummer sein Instrument, aber man muss ganz klar sagen, dass er es auch beherrscht. Ich kann mir diese Einschätzung erlauben, habe ich doch selbst einige Jahre hinter der Schießbude verbracht. Allerdings ist er nicht der einzige Könner in der Gruppe, auch der Gitarrist der Formation muss sich in keinster Weise verstecken muss. Er brennt ein Feuerwerk an Riffs ab, nutzt alle Möglichkeiten seiner Instrumente aus, lässt selbstverliebt seine Finger auf den Saiten tanzen.
In den Stücken finden sich viele kleine Andeutungen und ironische Zitate, die zeigen, welchen Hintergrund zumindest der Komponist der Gruppe hat. Was mir persönlich nicht gefällt ist der “Gesang” der Gruppe, für mich ist das nur Gegröhle. Unausgegoren wirken auch die Übergänge der Titel, Intro und Hauptteil passen oft nicht zusammen, und die Enden sind meist unharmonisch. Die Musik hört einfach auf.
Mein Lieblingsstück dieser Platte ist “Fame”, hier kommen alle Fähigkeiten der Bandmitglieder deutlich und sauber heraus. Das nächste Titelchen (es hat nur 24 Sekunden) “Sunrise” zeigt, dass die Gruppe auch melodisch spielen kann.
Die Gruppe gehört für mich eindeutig in den Bereich Metal, ob sie aber etwas mit der drone metal band Sunn O))) zu tun hat möchte ich bezweifeln. Dafür ist die Musik nicht gruselig genug.
PS: Bitte hier drücken, um einen Titel abzuspielen:
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5.1.2008 von Hubs.
Wieder einmal ein Fund bei Jamendo: “Between Light And Shadow” von Triplexity. Kann es wirklich sein, dass drei unabhängige Musiker, die sich nur über das Internet kennen, ausschließlich virtuell ein so gekonntes Produkt auf die Beine stellen? Nun, wir müssen es glauben.
Was die drei hier abgeliefert haben, ist nicht “Zwischen Licht und Schatten”, es ist ausschließlich LICHT. Jeder einzelne Titel ist ein Kunstwerk für sich, nie kommt in irgendeiner Weise Langeweile auf. Und auch die Abfolge der Titel ist gut gewählt: Auf einen Ambient-Titel kommt ein Funkarrangement, gefolgt von Cool Jazz, hinter den ein Saxophon-dominiertes Stück platziert wurde. Insgesamt ist dieses Album ein typischer und würdevoller Vertreter des NuJazz.
Warum habe ich trotz dieser guten Beschreibung nur 9 Punkte vergeben? Nun, hier gilt dasselbe wie bei den anderen, so bewerteten Alben: Ich plädiere eher für die Einhaltung einer Stilrichtung auf einem Album als für die willenlose (in diesem Fall jedoch gelungenen) Aneinanderreihung von fraglos hervorragenden Titeln.
Hubs
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3.1.2008 von Hubs.
Über dieses Album bin ich aus Zufall gestolpert, als ich wieder einmal bei Jamendo herumstöberte (was sich immer lohnt). Da stellt ein Quartett (Saxophon, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug) eine Platte vor, die fast die gesamte Bandbreite des Jazz umfasst. Von Cool über Guitar, Fusion, Experimental bis hin zu richtig fetzigem Freejazz ist alles vorhanden, was man sich als Jazzliebhaber wünschen kann. Und alles ist handwerklich hervorragend umgesetzt!
Da ich von Oprachina noch nichts gehört hatte, habe ich natürlich auch gegoogelt, und da bin ich auf ein Video gestoßen, das eine Aufnahme des faszinierendsten Titels auf dem Album zeigt - Fat Fast. Dass Oprachina ihre Qualität auch bei einem Liveauftritt mitten an einer belebten Straße in Rom unter Beweis stellen zeigt mir, dass es sich bei dem Album nicht um eine Eintagsfliege, sondern um den Anfang auch für eine internationale Karriere handelt.
Oprachina hat für das Album “Jazz Farm” (das Cover passt hervorragend zu dem Titel) von mir “nur” acht von zehn möglichen Punkten bekommen, da mir die Vielfalt etwas zu groß ist. Wenn man das Album als Eigenwerbung von vier Profis ansieht, die es als Bewerbung zur Aufnahme in ein Rundfunkorchester verwenden wollen, dann ist es hervorragend. Wenn es aber für den breiten Markt der Musikliebhaber konzipiert ist, dann wäre weniger mehr gewesen.
Trotzdem freue ich mich schon auf das nächste Album, oder auf den Besuch eines Konzerts, wenn ich das nächste Mal in Rom bin!
Hubs
PS: Bitte hier drücken, um einen Titel abzuspielen:
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2.1.2008 von Hubs.
Das ging schneller als erwartet! Mitte des letzten Monats habe ich hier die erste CD der Gruppe “sonata electra” besprochen und dabei meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass das zweite Album vielleicht etwas besser konzipiert und redigiert sein wird. Auch wenn sonata electra sich nur einen Monat Zeit genommen haben, um das zweite Album fertigzustellen, so ist doch etwas sehr viel Stimmigeres herausgekommen als befürchtet.
Zum Einen ist dieses Album jetzt eindeutig dem Genre “Electronic” zuzuordnen, zum Anderen werden Effekte nur dort verwendet, wo sie Sinn machen. Diese CD ist sowohl als Hintergrundmusik als auch - zumindest einige Titel - zum Tanzen geeignet. Bei dieser Produktionsgeschwindigkeit können wir Ende Januar 2008 mit dem dritten Album rechnen. Das wird dann richtig professionell produziert, sauber abgemischt und gut vermarktet sein. Und dann wahrscheinlich nicht mehr auf Jamendo zur Verfügung stehen…
Hubs
PS: Bitte hier drücken, um einen Titel abzuspielen:
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19.12.2007 von Hubs.
Vor einiger Zeit bin ich bei einer meiner WWWW - einer World Wide Web Wanderung - über die Seite von Jamendo (www.jamendo.com) gestolpert. Auf dieser Seite können Musiker ihre Werke anbieten, Nutzer können diese anhören und herunterladen. Heute bin ich auf dieser Seite über die CD “music journey” der Gruppe “sonata electra” gestolpert. Unter Gruppe versteht man ja im Allgemeinen mehrere Personen, hier aber handelt es sich um eine Person und einen “ordinateur”, also einen PC.
Am 12. November kam deren erste CD auf den freien Markt (man kann also die Musik kostenfrei weitergeben und auch selbst weiterverarbeiten, so lange man auf die Lizenzbedingungen verweist).
Bitte hier drücken, um einen Titel abzuspielen:
Die Sounds sind gefällig, die Kompositionen passen, die Auswahl der Instrumente stimmt auch. Aber offensichtlich fehlt dem Musiker der starke Produzent, der den Stil der Musik beeinflussen kann. Hier stehen wir einem Konglomerat von verschiedenen Stilrichtungen gegenüber, dem man genau anhört, dass der Künstler alles, was er für gut hält, in ein Album hineinbringen will. Ob es sich um den unverhofften Wechsel zwischen Tonarten, das abrupte Ende von Melodien oder Titeln oder das Einfließenlassen von Toneffekten handelt, es wird alles ausprobiert und angeboten. Das aber geht dann im Endeffekt nicht auf. Mal sehen, wie sich der Künstler bei seinem zweiten Album präsentieren wird.
Hubs
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11.12.2007 von Hubs.
Kann man die zehn Finger eines Pianisten durch die acht Schlegel zweier Marimba-Spielern ersetzen? Man kann. Wenn man will. Und man kann es sich sogar anhören. Wenn man sich nicht an der Eigenheit einer Marimba stört, dass zum Halten eines Tons anhaltendes Klopfen mit den Schlegeln notwendig ist. Aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kann man ein interessantes Musikerlebnis genießen.
Zu der Sammlung an Skurilitäten, die sich um Mussorgskys “Bilder einer Ausstellung” herum gebildet haben (weil jeder Komponist des letzten Jahrhunderts geglaubt hat, er müsste sich an dieses Werk wagen), ist nun eine neue hinzugekommen. Das “German Marimba Duo” hat 2001 - und in einer Neuaufnahme 2005 - seine Version dieses impressionistischen Werks eingespielt. Herausgekommen ist eine weitgehend werkgetreue Interpretation der ursprünglichen Klavierversion von Mussorgsky. Ohne Allüren oder Sperenzchen spielen die beiden Marimbaphonisten Matthias Kron und Andreas Schwarz die klassischen zehn Bilder (wobei die eigentlich zusammengehörigen “Katakomben” und “cum mortuis in lingua mortua” als zwei Stücke dargeboten werden), sauber getragen und verbunden durch die Promenade.
Schwerfällig humpelt der Gnom daher, kaum in der Lage, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Im “alten Schloss” wird - im Gegensatz zur Klavierversion - eher das Schloss dargestellt als der doch eigentlich agierende, leichtfüssige Troubadour.
In den “Tulerien” dann sieht man durch die Interpretation deutlich die Gouvernanten vor sich, die versuchen, die streitenden Kindern auseinander zu halten.
In Bezug auf den “Bydlo” kenne ich kaum eine Darstellung, die die Schwerfälligkeit des Ochsenkarrens besser darstellt als die bassgetragene Version, die hier geboten wird.
Nicht so leicht wie gewohnt kommen die Kücken daher, die in ihren Schalen - halb geschlüpft - durch die Gegend rennen. Hier ist der sonore Klang der Marimbas eher hinderlich.
Wunderbar gestaltet sich dann aber der Dialog zwischen dem reichen, satten, mit einem Vornamen versehene Samuel Goldenberg und dem armen, halb verhungerten, nur mit seinem Rufnamen ausgestattete Schmuyle. Die am Anfang nebeneinanderher laufenden Gestalten wenden sich immer mehr einander zu und geraten gegen Ende in einen richtiggehenden Disput.
Beim “Marktplatz von Limoges” zeigt sich wiederum die Schwäche der Marimbaphone in den höheren Lagen: Das Keifen der Marktweiber wird erst mit den schrillen Obertönen hörbar, die leider in dieser Version fast komplett fehlen.
Ganz anders und gut zu den Instrumenten passend kommen dann die nächsten beiden Bilder daher, die “Katakomben” als Beschreibung der römischen Totenstadt und “Cum mortuis in lingua mortua”, in der Hartmann, der Schöpfer der beschrieben Bilder, selbst dargestellt wird. Er war ja schließlich kurz vor Entstehung des Klavierzyklus verstorben.
Witzig ist dann die Interpretation des Hexenritts von “Baba Jaga”, die als echte russische Hexe wild durch die Gegend fliegt.
Als Abschluss dann die getragene Darstellung des großen Tors von Kiev. Hier zeigt sich leider, dass den Marimbas die Schärfe fehlt, um die Fülle und Exaktheit einer Architekturzeichnung sauber darstellen zu können.
Insgesamt gefällt mir diese Interpretation gut, sie macht Spaß und wird sicher in das dauerhafte Repertoire der Interpretationen auf meinem MP3-Player aufgenommen werden.
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