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9.8.2009 von Hubs.
Der Pfälzer Wald stellt DAS Erholungsrevier für die ganze Vorderpfalz dar. Ganz egal, ob man wandern, joggen, mit dem Fahrrad oder dem Auto fahren will, man findet überall Stellen, an denen man es sich richtig gut gehen lassen kann. Natürlich wird auch für Reiter und Motorradfahrer einiges geboten, auch wenn für diese beiden Nutzergruppen einige Wege inzwischen gesperrt sind. Zumindest Sonntags.

Für alle gesperrt ist aber zurzeit wegen Bauarbeiten die B48-Durchfahrt vom Johanniskreuz nach Hochspeyer. Und da dies ein Teil meiner Hausstrecke ist, musste ich mir in den letzten Wochen eine Ausweichstrecke suchen. Sicher gibt es die offizielle Umleitung über Mölschbach oder das Stiftswalder Forsthaus, diese dehnen aber die Rückfahrt im Allgemeinen zu sehr aus. Daher habe ich mir ein paar Nebenstrecken gesucht, und eine davon hat es mir besonders angetan, da sie die Fähigkeiten von Motorrad und Fahrer auf eine harte Belastungsprobe stellt: Es dreht sich um die Elmsteiner Straße von Waldleiningen in Richtung Elmsteiner Tal. Diese Strecke ist prädestiniert für alle, die eigentlich bei der Eröffnung der Erlebniswelt am Nürburgring beim Stier-Rodeo mitmachen wollten. Hier mutiert mein Babymonster wirklich zum wilden Stier.

Diese knapp drei Meter breite Straße besteht ausschließlich aus Kurven, Wellen, Schlaglöchern und mit Split sanierten Stellen. Aber sie macht Spaß! Auch wenn man die ganzen acht Kilometer am Kämpfen ist mit sich und dem Moped, sie macht Spaß. Allerdings muss man gehörig aufpassen: An manchen Stellen kommen die Schläge genau in der Anbremszone zu einer Kurve, und wenn man da nicht aufpasst, dann langt der Bremsweg halt nicht mehr. An anderen Stellen sind die Wellen nicht direkt sichtbar, und man läuft Gefahr, die Hände sonstwo, nur nicht mehr am Lenker vorzufinden. Aber es macht Spaß! Manchmal gibt es Gegenverkehr, und ab und zu stehen auch Holzlaster im Weg herum. Daher fahre ich die Strecke immer nach 17:00 Uhr, da bin ich mir ziemlich sicher, dass keine LKW mehr unterwegs sind, denn diese stellen einen vor ein wahrlich unüberwindbares Hindernis.

Fast am Ende der acht Kilometer kommt man an eine T-Kreuzung, die einen nach rechts ins Elmsteiner Tal und nach links in Richtung Weidenthal führt. Diese nach links führende Strecke ist die Belohnung für die Tortur, der man sich vorher unterzogen hat: Auch hier hat man nur knapp drei Meter Straßenbreite vor sich, aber diese Straße ist bis auf wenige Ausnahmen glatt und sehr griffig. Allerdings befindet man sich halt immer noch in einer bewaldeten, bergigen Umgebung, so dass man in fast keiner Kurve sieht, wer oder was entgegen kommt. Irgendwann kommt man auf dieser Stecke am höchsten Punkt an, und hier muss man wirklich Vorsicht walten lassen: Nach der einlullenden Qualität der letzten fünf Kilometer kommen Querschläge, die meist auch noch im Schatten liegen und daher unsichtbar sind, sehr unerwartet. Kurz darauf kommt eine nach links führende Hundskurve, hier ist Vorsicht geboten. Anschließend geht es SEHR zügig und gut einsehbar den Berg hinab, bis man wiederum durch eine scharfe Linkskurve eingebremst wird. Kurz danach hat man Weidenthal und damit das Ziel der Strecke erreicht.
Noch ein Hinweis für Nutzer des “Motorrad Rourenplaners 2008/2009″: Hier stimmen die Höhenangaben für den zweiten Teil der Strecke nicht, der “Berg”, den man in Angriff nimmt, wird komplett unterschlagen.
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13.7.2009 von Hubs.
Normalerweise kann ich mich ja schon zurückhalten, aber dieses Gefährt schlägt alles, was ich bisher an Cistom-Bikes gesehen habe. Irgendwie fange ich gerade an zu sabbern…
Aber seht selbst (das Laden kann etwas länger dauern…aber es lohnt sich!):
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23.6.2009 von Hubs.
Okay, okay, wir sind schon länger an der Quelle der Mosel vorbei, aber Spaß macht es immer noch. Alle Töffs laufen, wie sie sollen, niemand hat einen Kater (woher auch, bei der trockenen Verpflegung…), das Frühstück war… nicht der Rede wert.
Der letzte Tag unserer Reise hatte begonnen, und es war klar, dass wir nach dem ersten Teilstück in Neuf-Brisach mit Klaus den nächsten Mitfahrer verlieren werden. Manchmal kommt einem halt der Job dazwischen. Da er es eilig hatte, fuhren wir mit TomToms Hilfe den direkten Weg nach NB, was leider auch bedeutete, dass wir ein ganzes Stück autobahnähnliche Routes nationales fuhren. Irgendwann aber kamen wir dort an.

Mir hat diese Stadt bei meinem ersten Besuch 1972 (ächz!) schon imponiert, und daher wollte ich auch meine Mitfahrer daran teilhaben lassen. Nur sieht man leider die Wehranlagen viel besser aus der Luft als vom Motorrad. Daher genehmigten wir uns einen Kaffee, sagten Adieu und fuhren unserer getrennten Wege.
Unsere Strecke führte uns zuerst einmal über den Rhein nach Breisach. Am Rheinübergang sahen wir, welche Touristenmassen sich nach Frankreich ergossen: Autos über Autos, Fahrräder, Fußgänger und Unmengen an Motorrädern. Wir waren ganz schön glücklich, dieser Meute entronnen zu sein. Allerdings: Was würde uns im Schwarzwald erwarten? Ist der eventuell genauso überlaufen?
Zuerst einmal ging es über die Dörfer am Kaiserstuhl entlang. Ihringen, Wasenweiler, Bötzingen, alles Orte, in denen man einen guten Tropfen zu bereiten weiß, und in denen man auch überall gut essen kann. Was wir aber angesichts der frühen Tageszeit nicht vorhatten.
Statt dessen bogen wir nach Osten ab in Richtung Freiburg, und damit begann eine Odyssee von Umleitungen. Zuerst einmal war der Zubringer zwischen Benzhausen und Gundelfingen gesperrt - also mussten wir durch Freiburg fahren. Dann kamen wir auf die B294, mussten diese aber schon bei der ersten Ausfahrt Waldkirch wieder verlassen, da sie vor Elzach voll gesperrt war.
Die Umleitung führte uns über Straßen, die ich als Streckenverantwortlicher niemals herausgesucht hätte: Lörch, Sexau, Keppenbach, Reichenbach, Freiamt, Schweighausen (hier war mein Tank fast leer…), Welschensteinach und Steinach im Kinzigtal nach Haslach.
Göttliche Motorradstrecken, viel Spaß, viele Kurven, leider herrschte auch hier ein nicht so guter Straßenzustand vor. Man konnte nie sicher sein, ob nicht mitten in der nächsten Kurve ein Bitumenpflaster auf die Straße geklebt war. Aber irgendwie kamen wir an, auch wenn wir die letzten Kilometer hinter einer Schlange von Dosen herfuhren, die sich strikt an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30km/h hielten… Überholen war nicht drin, zu kurz waren die Abstände zwischen den Autos, und vor allem waren da zwei in der Schlange, die die ganze Zeit Anstalten machten, ebenfalls zu überholen. In so einem Fall bleibe ich lieber hinten, als irgend etwas zu riskieren. Und wir sind ja trotzdem irgendwann angekommen. Und nutzten in Hausach die erste sich bietende Gelegenheit, die Mopeds aufzutanken.
Die B294 war in diesem Bereich richtig voll, Spaß machte es nicht, auf ihr zu fahren. Daher entschieden wir kurzfristig, in Wolfach auf die L96 abzubiegen und den idyllischen Weg über Oberwolfach, Schapbach, Bad Rippoldsau und Zwieselberg nach Freudenstadt zu nehmen.
In dem malerischen Weiler Zwieselberg kehrten wir denn auch im Hotel Hirsch zum Mittagessen ein. Und wie es sich für ein richtiges badisches Schwarzwald-Gasthaus gehört, gab es Rehragout mit frischen Pilzen (leider nur Champignons) und selbstgemachten Spätzle. Wobei wir gemeinsam zu der Überzeugung kamen, dass meine besser sind.
Irgendwann rafften wir uns dann auch wieder auf, um die Schlussetappe anzugehen: Zuerst den Katzensprung nach Freudenstadt, und dann die super ausgebaute, zum Glück fast leere B294 in Richtung Pforzheim. Gaaaanz lange Kurven, breite Straßen, kaum Verkehr, so gut wie keine Beschränkungen, auf einer solchen Strecke kann man leicht Kilometer reissen und dabei auch noch Spaß haben. Dass es auch einige Motoradfahrer gibt, die den Spaß etwas übertreiben und auf der letzten Rille die Strecke durchrasen, sah man an den schwarzen Streifen, die sich durch ALLE Kurven zogen. Ich meine jetzt nicht Bremsspuren, sondern ganz dünne schwarze Striche, die übrigbleiben, wenn man aus einer Kurve heraus extrem beschleunigt.
Diese Striche meine ich - die meiner Meinung nach ausschließlich auf der Rennstrecke etwas zu suchen haben. Wir blieben zum Glück vor solchen Zeitgenossen verschont und konnten die Strecke in aller Ruhe (was man so Ruhe nennt…) genießen.
Ab dem Ortseingang Pforzheim war es dann nicht mehr so prickelnd, jetzt machte sich der Auflugsverkehr doch bemerkbar. Durch Pforzheim durch ging noch gerade so, aber die Strecke über Bretten (wo uns Klaus als drittletzter verließ) nach Bruchsal war nur unangenehm. Selbst wenn wir dort zu zweit ganz anders fahren konnten als in einer größeren Gruppe, war es halt doch nicht empfehlenswert, allzu sehr zu rasen.
Ab Bruchsal ging es dann über die B35 nach Germersheim, wo wir wieder auf kleinere Strecken auswichen und über Lingenfeld, Schwegenheim, die Aumühle und Meckenheim zurück zum Ausgangspunkt fuhren.
Was bleibt zu sagen? Das ist ein wunderschönes, anstrengendes, erholsames, Freundschaften förderndes Wochenende gewesen, und eigentlich steht jetzt schon fest, dass wir ähnliche Touren auch in Zukunft sicher wieder durchführen werden. Annecy und die Pässe der Gegend rufen…
Und weil es mir so gute Dienste geleistet hat, kommt hier noch ein Bild meines Babymonsters:

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23.6.2009 von Hubs.
Bisher hat mich mein Monsterbaby nicht im Stich gelassen. Mustergültig macht sie, was sie soll, braucht alle 200km etwas zu trinken, ab und zu etwas höhere Geschwindigkeit, damit die Öltemperatur wieder sinkt (besonders nach einer Stadtdurchquerung), ich bin zufrieden. Was will man mehr?
Ganz nach Planung haben wir nach dem Frühstück zwei Abgänge zu beklagen: Harald und Elke wollen sich noch ein Schiffshebewerk ansehen und dann auf direktem Wege wieder nach Hause eilen, die restlichen vier füllen erst einmal wieder den Tank und brechen dann auf gen Süden.
Eigentlich sollte es ja von Toul mit seiner gigantischen Kathedrale aus wieder die Mosel entlang gehen, da ich aber einen nicht angekündigten Schlenker kurz vor Ende der Etappe in die Vogesen eingebaut hatte, entschloss ich mich kurzfristig, auf direktem Weg auf einer tollen Route Departement (D904) nach Charmes zu fahren. Unterwegs kamen wir durch ein hügeliges Gebiet, das von der Armee besetzt ist. Offensichtlich lagert hier ein Teil des Arsenals der “Force de frappe”, denn so gut gesicherte Wäldchen und Hügelchen kenne ich sonst nur aus Kentucky oder Idaho, wo auch mitten in der Pampa auf einmal ein Hochsicherheitsgelände auftauchen kann.
Obwohl wir keine 20km von Nancy entfernt waren, fuhren wir komplett alleine. Auf der ganzen Strecke bis Charmes (immerhin rund 50km) haben wir kein einziges Auto überholt (nein, wir sind nicht unbedingt nur 90 gefahren!), und uns kam auch keines entgegen. Selbst die Dörfer entlang der Mosel waren seltsam ausgestorben. Kaum Autos, keine Menschen, alles hat einen leicht morbiden Charme, irgendwie erinnerte die Szenerie an einen Katastrophen-Science-Fiktion. Lag das daran, dass es Samstag war? Waren alle Leute in die “großen” Städte zum Einkaufen gefahren? Sehr seltsam…
Von Charmes aus ging es dann wieder entlang der Mosel durch Vincey und Thaon-les-Vosges nach Chavelot, wo wir bei einer lieben Bekannten ein schönes kleines Mittagessen zu uns nehmen konnten. Es gab Pizzinchen, kleine Küchlein, einen schönen frischen Salat aus dem eigenen Garten sowie eine tolle Käseplatte. Genau das richtige für hungrige Biker!
Merci, Vivian, Harald et Alice!
Nur wenige Kilometer ging es nach der Mittagspause noch durch flaches Gelände, ab Epinal begann unser Weg, sich in die Vogesen zu verziehen. Schöne, langezogene Kurven auf den besser ausgebauten Routes Nationales, enge Haarnadelkurven mit schlechter Oberfläche auf den Nebenstraßen. Pouxeux, Éloyes, Saint-Étienne-lès-Remiremont, Le Syndicat. Wie Perlen liegen die Orte entlang den Nebenstraßen, die oben am Talhang entlangführen, während die Mosel im Tal nur an wenigen Stellen sichtbar ist.
Immer steiler wurden die Berge um uns herum, man merkte jetzt, dass man sich im Mittelgebirge befand. In Saulxures-sur-Moselotte - wir hatten also die Mosel verlassen und befanden uns jetzt bei der Moselotte - tankten wir vor dem “richtigen” Einstieg in die Vogesen.
Die folgenden Kilometer sollten den Höhepunkt unserer Tour darstellen: Zuerst der Anstieg über Ventron und die Serpentinen von Le Frenz nach Kruth, von dort aus ging es links hinauf die wildromantische und für Motorradfahrer ideale Strecke nach Le Markstein. Der Himmel war voller Gleitschirmflieger, bei Le Markstein sahen wir dann auch, wieso: Nach dem Start gleiten die Schirme bis zur Abrisskante, dort aber steigen sie wie in einem Aufzug mehrere hundert Meter in die Höhe. Es sieht schon klasse aus, das will ich mir aber denn doch nicht antun.
Natürlich waren die Restaurants am Rande der Straße überfüllt von Autos, Fahrradfahrern und Motorrädern, auch oben am Grand Ballon konnte uns nichts dazu überreden, uns der Herde der Touristen anzuschließen.
Statt dessen fuhren wir die Route des Crêtes weiter, die Straße nach Thann hinab, bis wir zu einer Ferme Auberge kamen.
Brüderliche Freude über die Aussicht.
Hier konnten wir auf der Terrasse ohne Stress, mit nur wenigen anderen Reisenden unsere Getränke genießen. Und für die Mitfahrer unter uns, die die Region noch nicht kannten, tat sich ein leider etwas diesiger Blick auf unsere nächste Tagesetappe auf: Die Rheinebene sowie den südlichen Schwarzwald.
Inzwischen war es richtig heiß geworden, wir waren nach den Anstrengungen des Tages relativ müde und wollten nur noch in unser Etappen-Hotel “Le Moschenross“. Was zum Glück schalldichte Fenster aufwies: Es lag genau neben der Hauptein- und Ausfallstraße in die Vogesen…
Nach einem kurzen Päuschen zum Ausruhen trafen wir uns um 18:00 Uhr, um die Stadt unsicher zu machen. Sehr schnell mussten wir jedoch realisieren, dass es hier nichts zum unsicher machen gab… ein paar Restaurants und Brasserien, eine Kirche, ein, zwei Andenkenläden, das war alles. Wenigstens hatte wir ein - wie wir dachten - gutbürgerliches Restaurant gefunden, in dem wir nach dem Aperitiv dann zu Abend essen wollten. Das “Caveau de l’Engelbourg” entpuppte sich jedoch sehr schnell als gehobenes Speiserestaurant, in dem wir es uns wohlverdient gutgehen ließen.
Das Essen war einfach ausgezeichnet. Ob Entenleberpastete, Filetsteak, saure Nierle oder Crème brûlée: Alles war exakt richtig gegart, sehr hübsch angerichtet und es schmeckte auch wunderbar. Die Weinkarte ist für französische Verhältnisse klein, wir fanden trotzdem als Begleiter zu unserem Essen einen Chablis von 2005, der hervorragend zu den doch sehr unterschiedlichen Speisen passte. Ein Ausflug hierher lohnt sich wirklich.
Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Ergebnisse des Hobbies des Patrons, die sich an jeder Wand wiederfinden: Er glaubt, malen zu können…
Schön, gell? Aber es kommt noch besser…
Ob diese Dame wohl schon immer ein Höschen anhatte?
Nach einem kleinen Rundgang durch das Industrie- und Wohnviertel von Thann verabschiedeten wir uns dann relativ früh auf unsere Zimmer: Das Frühstück war bereits für acht Uhr bestellt.
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22.6.2009 von Hubs.
Jetzt will ich zuerst einmal unsere Truppe vorstellen: vier BMWs (K1200S, R1200RT, K1200GT und F650), eine HD Electra Glide Ultra Classic und eine Ducati Monster 900. Bunt zusammengewürfelt aber kompatibel, so lange man auf sanft geschwungenen Pfaden unterwegs ist. Immer wieder zusammengerufen wird der Trupp durch das “dezente” Bollern der Duc.
Der zweite Morgen empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, die Regenkleidung konnten wir also beruhigt im Rucksack oder Koffer lassen. Nach einem ausgiebigen Frühstück genossen wir die typische Mosellandschaft, die uns auch am ersten Tag schon begleitet hatte: Weinberge, so weit das Auge reicht, von den extremen Steillagen (im Besitz des Weinguts Dr. Loosen) bis hin zu den in den 70er Jahren hinzugekommenen flachen Weinbergen, sanfte Hügel, auf denen kleine Dörfer thronen, in den Steillagen immer wieder Schutzhütten in jeglicher Gestaltung, von der einfachen Holzhütte über Kapellen bis hin zu nahezu fürstlichen Bauten. Und an der Straße immer wieder Hinweise auf die Römer, die vitis vinifera (die Weintraube) an die Mosel brachten.
Geballt bekommt man das natürlich in Augusta Treverorum zu sehen, dem heutigen Trier: An jedem Eck sieht man römische Reste, das Rheinische Landesmuseum quillt davon nahezu über, an vielen Häusern findet man historische Zitate, und dann ist da natürlich noch das Wichtigste: Die Porta Nigra, das schwarze Tor.
Leider war Trier an diesem Freitag dermaßen verstopft, dass wir die für eine genauere Besichtigung notwendige Stunde im Stau bei der Anfahrt auf Trier verloren. Immerhin konnten wir einen Blick nach schräg hinten auf das Bauwerk werfen.
Aber für nächstes Jahr ist ein Ausflug nach Trier unter Leitung eines historisch Bewanderten geplant, so dass wir nichts versäumt haben, weil wir dieses Mal nicht angehalten haben.
- * -
Wie sich doch die Landschaft wandeln kann: Befanden wir uns eben noch neben der Mosel auf stark befahrenen, hellen Straßen, sind wir hinter Trier auf einer breiten, geschwungenen, leeren, baumgesäumten Bundesstraße, die alle Orte links oder rechts liegen lässt. Mir (der ich zu diesem Zeitpunkt der Frontmann war) gefiel es so sehr, dass ich mich nicht bremsen konnte und, so lange es ging, die teilweise knackigen Kurven am Rande der Legalität durchfuhr. Irgendwann aber war der Tank leer, und da Luxemburg mit Schengen sich dazu anbot, nutzten wir nach einem Tankstopp (1.01 Euro für einen Liter Super - zum Heulen!!!) das Europäische Informationszentrum für unsere Mittagspause.
Gegenüber diesem Zentrum ist das Denkmal an das Schengener Abkommen installiert:
Irgendwie erinnert mich das an sowjetische Kriegerdenkmäler. Seltsam…
So sieht man nach einer geruhsamen Mittagspause aus, auch wenn das Beton-Ambiente des Zentrums etwas gewöhnungsbedürftig war. Das Bild ist übrigens am Ortsanfang von Schengen aufgenommen, und nicht nur die Deutschen haben die Angewohnheit, Besuchern gleich zu sagen, dass sie sich an Regeln zu halten haben.
- * -
Nur 300m weiter kommt schon der nächste Grenzposten: Wir befinden uns auf französischer Scholle, die uns das mit Macht und vielen Schlaglöchern unmissverständlich klarmacht. Hier sind wir jetzt auf dem anstrengendsten Teilstück, von Schengen über Yutz, Thionville, Guénange und Malroy nach Metz. An viel kann ich mich nicht mehr erinnern, zu sehr musste ich mich auf Verkehr, Straßenverkehrsordnung und vor allem die Truppe hinter mir konzentrieren. Am Ortsanfang von Metz nahmen wir dann eine Änderung der Reihenfolge vor: Das Fahrzeug mit dem TomTom an Bord (TomTom genannt) durfte uns durch die Großstadt führen, oder besser gesagt in einem Halbkreis um die Stadt herum. Das klappte auch wunderbar, bis TomTom den Rest der Truppe an einer Ampel abhängte und dies nicht bemerkte.
Natürlich wussten wir zu diesem Zeitpunkt auch nicht, wo wir waren (wir hatten uns ja auf TomTom verlassen und keine Karten parallel gelesen), so dass wir TomTom auch nicht zurücklotsen konnten. Ein schöner Deadlock, doch wir lösten ihn auf einfache Art und Weise: TomTom fuhr zu unserem nächsten Ziel (auf direktem Wege und nicht die landschaftlich schöne Strecke),ich orientierte mich mit Hilfe der guten alten Landkarte und konnte uns so auf kleinen Umwegen auf den richtigen Weg zurückbringen.
Auf diesem Weg mussten wir auch ein kurzes Stück Autobahn fahren, und dabei fielen uns auf einer Brücke zwei Polizisten auf, die mit Hilfe eines Lasergeräts die Geschwindigkeit der Fahrzeuge überprüften. Am Straßenrand standen vier Polizei-BMWs, deren Fahrer (nur mit kurzärmligen Hemden bekleidet!) darauf warteten, dass Ihnen die Kollegen von der Brücke ein Fahrzeug zur Kontrolle meldeten. Am Kreisel der nächsten Ausfahrt standen dann reihenweise die ertappten Sünder und zahlten ihre Strafe. Wie wir am folgenden Tag erfuhren, hatte sich der Chef des Departements eine Woche vorher über eine ungewöhnliche Häufung von Verkehrstoten aufgeregt und die flächendeckenden Kontrollen angesetzt.
Was diesen Teil der Strecke zusätzlich unangenehm machte, war die Tatsache, dass derzeit in Frankreich die National- und Departement-Straßen andere Bezeichnungen bekommen und daher an einem Schild die D7 steht, am nächsten Schild aber die N3. Und folgerichtig an den wichtigen Stellen keinerlei Hinweis auf die Nummerierung zu finden ist…
Wir haben jedenfalls unsere Strecke wieder gefunden und konnten die kleinen Sträßchen die Mosel entlang durch Ars-sur-Moselle (was muss sich ein Ami bei diesem Namen denken…), Corny-sur-Moselle und Vandiéres genießen. Bei La Vitrée bogen wir dann auf die D910 ab, um auf direktem und schnellstem Wege zu unserem kulturellen Höhepunkt des Tages zu gelangen: Der Ausstellung im Museum Georges de la Tour in Vic-sur-Seille über Leben und Werk von Emile Gallé. Dort fanden wir auch TomTom wieder, der sich inzwischen mit den Damen des örtlichen Museumsvereins angefreundet hatte.
Natürlich konnten einige von uns dem im angeschlossenen Cafe dargereichten Kuchen nicht widerstehen. Viel war nicht mehr da, nachdem wir fertig waren.
Da es inzwischen doch recht spät geworden war, beauftragten wir TomTom wiederum mit der Führung nach Westen, quer durch Nancy zu unserem Hotel in Laxou. Ja, die Strecke hätte man auch anhand des ausgedruckten Stadtplans finden können, so aber war das viel einfacher. Vor allem in Anbetracht der chaotischen Verkehrsverhältnisse. Fahren Franzosen in der Großstadt immer so?
Das Hotel Ariane befindet sich mitten in einem Gewerbegebiet voller Bürohäuser, und anfangs überlegten wir noch, wie wir an diesem Abend zu etwas Sinnvollem zu Essen kommen könnten. Doch ein kleiner Spaziergang in der Nachbarschaft führte uns sehr schnell zu einem Steakhaus der Courtepaille-Kette. Diese Kette ist ungefähr mit den deutschen Blockhäusern vergleichbar.
Wenn man hier sein Fleisch “bleu” bestellt, dann bekommt man es auch so! Richtig klasse, einfach empfehlenswert. Im Unterschied zum Blockhaus bekommt man hier allerdings einen zur Region passenden Wein.
Auch an diesem Tag führten wir uns einen Absacker in der Bar des Hotels zu Gemüte, wir gönnten uns einen Pastis. Wir waren schließlich in Frankreich.
Und weil sie so schön sind kommen hier noch einmal unsere Belle (oder doch eher Bellas?):
Heut geht’s mir gut!
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22.6.2009 von Hubs.
Auf einer eintägigen 3-Flüsse-Motorrad-Tour (Lauter, Mosel und Rhein) kam mir die Idee, die Mosel einmal von der Mündung bis zur Quelle entlang zu fahren. Nicht nur, weil diese einen fast idealen Kreisbogen um die Pfalz herum macht, sondern auch weil das Moseltal zu einer der schönsten Landschaften zählt, die Europa zu bieten hat. Und zusätzlich wird es durch wunderbare Motorrad-Strecken gesäumt.
Im Januar begann die Planung: Ein Termin musste gefunden, die potentiellen Mitfahrer befragt und dann natürlich die Hotels angeschrieben werden. Nach den Erfahrungen der letzten Reisen war klar, dass die einzelnen Tagesetappen zwischen 200km und 250km lang sein sollten. Jeder zusätzliche Kilometer macht zwar vielleicht Spaß, er verhindert aber ein wenig die Gemütlichkeit oder die Gelegenheit, sich auch einmal einen kulturellen Abstecher zu gönnen.
Aus diesen Rahmenbedingungen ergaben sich vier Etappen, was zwingend zu der Auswahl eines verlängertes Wochenendes führte, an dem auch alle Teilnehmer Zeit haben. Durch die Terminauswahl wurde die Hotelsituation etwas prekär: An solchen Wochenenden ist die Mosel meist ausverkauft, also war Eile geboten.
Wir einigten uns auf das Fronleichnam-Wochenende, ein Check bei den Hotels zeigte, dass es Zimmer in hinreichender Menge gab, und ein Motorrad hatte ich mir auch reserviert.
Irgendwie ist die Zeit seit der Planung vergangen, und es hat ein paar Änderungen gegeben: Ein Fahrer wurde ausgetauscht, eine Sozia musste leider krankheitsbedingt zuhause bleiben (”ich habe Rücken”), und ich hatte die Freude, die Tour auf meinem neu erworbenen Babymonster fahren zu dürfen.

Nummer Fünf Lebt. Oder?
Treffpunkt war pünktlich neun Uhr morgens getankt beim nördlichsten Teilnehmer der Tour. Die Nacht zuvor hat es geschüttet, was der Himmel hergab, und irgendwie lag auch noch eine gehörige Menge an Wasser in der Luft. Trotzdem fuhren wir erstmal ohne Regenkombis zur nächstgelegenen Tankstelle. Da im Endeffekt bis auf mich keiner getankt hatte, hatten wir während der Wartezeit die Gelegenheit, noch einmal den Himmel zu studieren, und so sahen wir glücklicherweise ein von Westen heranziehendes Unwetter. Also doch in die Kombis gestiegen und schnellstmöglich ab nach Norden, in der Hoffnung, das Gewitter zu umgehen. Was uns dann auch gelang, wir bekamen nur am Rande etwas von dem Regen mit. Der Haardtrand aber hat an diesem Tag ganz schön was einstecken müssen.
Die Strecke bis nach Bingen ist vor allem dann reizvoll, wenn man alleine auf der Strecke ist und die Kurven richtig schwingen kann. Was wir weidlich ausnutzten, wobei uns ein stramm von Westen wehender Wind öfter einen Strich oder besser eine Bö durch die Rechnung machte. Unsere erste Pause verbrachten wir im Loreleyblick in Sankt Goar mit - na was wohl! - Blick auf die Loreley.
((c) Loreley-Touristik)
Irgendwie hatte ich mir die Loreley aber doch etwas anders vorgestellt…
Hier konnte sich ein Mitfahrer auch endlich seiner Regenkombi entledigen, die offensichtlich im Laufe des Winters eingegangen war… wir anderen nutzten die Gelegenheit ebenfalls, das leidige Gummizeugs loszuwerden.
Was mich wirklich wunderte war die Verkehrssituation: Trotz inzwischen blauen Himmels, trotz des Feiertags konnte man absolut problemlos über die B9 schlendern, ohne Gefahr zu laufen, überfahren zu werden. Das hatte ich ganz anders befürchtet.
Nun gut: Wir setzten unsere Tour fort, durch das wunderschöne Mittelrheintal vorbei an Bad Salzig und Boppart bis nach Rhens, wo wir die Abzweigung nach Waldesch nahmen. Vor Kurzem war ich einmal aus Versehen durch Koblenz hindurch gefahren, und dieses “Erlebnis” wollte ich denn doch niemandem zumuten. Außerdem ist die Waldescher Straße hinunter ins Moseltal ein schöner Einstieg in das, was noch kommen sollte: Schlechte Straßen und Umleitungen, aber auch jede Menge Kurven und wunderbare Blicke hinunter ins Tal.
In Dieblich kamen wir dann endlich an der Mosel an. Eigentlich hätte man von hier an an jeder Ecke stehen bleiben können, um die Mosel und die sie umgebende Kulturlandschaft zu genießen. Wir aber entschlossen uns, diese Umgebung nur vom Motorrad aus aufzunehmen und fuhren folgerichtig weiter bis nach Alken, wo wir zum Besuch unseres ersten kulturellen Höhepunkts abbogen: Der Burg Eltz.
Jeder von uns kennt natürlich die Burg Eltz vom täglichen Umgang mit den alten Banknoten.
Die Wenigsten aber waren schon einmal dort, und der Besuch lohnt sich aus mehreren Gründen:
1. Kann man ein Gebäude sehen, das trotz seines Alters noch nie zerstört wurde,
2. kann man mit etwas Glück einen Führer erleben, der ein hervorragendes etymologisches Wissen hat und dieses auch sehr nett in verschiedenen Sprachen vermittelt und
3. kommt man ungeplant in den Genuss einer Wanderung.
Nach dem Aufstieg zurück zu den Motorrädern und einem kurzen Aufenthalt unter einem Baum, weil es wieder einmal angefangen hatte zu regnen, setzten wir unsere Tour zu unserem ersten Etappenziel fort: Bernkastel-Kues.
Wir hatten Unterkunft im “Märchenhotel” gefunden, und nach einer märchenhaften Fahrt durch die Straßen der Altstadt (nicht ganz so einfach mit einer Electra Glide…) stellten wir unsere Bikes auf einem Parkplatz des Hotels ab.
Es gab erst einmal einiges Hin und Her wegen des Parkplatzes, irgend wann aber konnten wir uns dann doch auf die Zimmer begeben und uns für den Abend feinmachen. Wobei sich die Abendunterhaltung auf einen kleinen Spaziergang durch Bernkastel und ein gemütliches Abendessen in der Doctor-Weinstube beschränkte. Aber auch dabei hatten wir Glück: Eigentlich wollte die Mehrheit ja im Garten sitzen, aber einer einzelnen Person war es zu kalt dazu. Während unseres Essens kam dann der nächste Guss vom Himmel, was wir nur daran merkten, dass auf einmal alle Gäste aus dem Garten in das Restaurant strömten.
Wir gönnten uns dann noch einen kleinen Absacker in einer Weinstube, bevor wir müde, aber glücklich zu Bett gingen.
Heut’ gehts mir gut!
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17.5.2009 von Hubs.
Vorfreude ist die schönste Freude - nach diesem Motto bin ich die letzten zwei Jahre Motorrad gefahren. Ich konnte mich nie entscheiden, was ich mir zulegen möchte, ich habe viel ausprobiert, war mir in den letzten Wochen sogar ziemlich sicher, dass es eine Triumph wird, und jetzt hat mich der Zufall überrumpelt: Der elektronische Hammer in der Bucht hat sich zu meinen Gunsten gesenkt, ich bin seit gestern stolzer Eigentümer in spe einer Ducati Monster. Hier ist sie:

Feines Teil - oder? Irgendwie entspricht sie so gar nicht meinem aktuellen Beuteschema, aber ich glaube schon, dass ich damit glücklich sein werde. Eine Ducati hat immerhin den Vorteil, dass ein sehr guter Ducati-Mechaniker in meinem Heimatort eine Werkstatt hat, ich also nicht allzu weit fahren muss, um sie zur Inspektion zu bringen. Wobei ich davon ausgehe, dass ich sie ausschließlich für Inspektionen dort hinbringen muss.
Nächste Woche hole ich sie mir, und dann kann der Spaß beginnen.
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5.4.2009 von Hubs.
Früher war alles besser. Früher gab es nur zwei oder drei Moppeds, die für mich zur Auswahl standen. Ich wollte ein Naked Bike haben, mit hinreichend Power, agil, um die Straßen des Pfälzer Walds unsicher zu machen, aber auch in der Lage, Gepäck für ein verlängertes Wochenende mitzuführen. Eine Reise-Enduro kam wegen der fehlenden Agilität nicht in Frage. Egal, ob es die V-Strom mit dem genialen Motor der TL1000 oder die Varadero war, die passten alle nicht. Genauso wenig die ursprüngliche Tiger, die zu hoch, zu ungeschlacht daher kam.
Letzte Woche bin ich bei Moto-Plus in Karlsruhe vorbeigefahren, um mir ein paar gebrauchte Nackte anzusehen. Und da sah ich neben einer Aprilia Shiver und der genau so interessanten Street Triple die neue Triumph Tiger 1050 stehen. Nicht mehr die Wuchtbrumme von früher, fast schon graziös steht sie da. Nicht mehr diese übertriebene Verkleidung des Vorderbaus, vielmehr ein gut integrierter Windschutz umhüllt da die Front des Motorrads. Dies ist nicht mehr die riesige Reiseenduro, dies ist eine schöne, fast nackte Fahrmaschine.

Von vorne wirkt sie sogar richtig aggressiv, von der früheren Sitzhaltung in Augenhöhe mit den LKW-Lenkern ist nichts mehr zu finden.
Zum Glück war ich auf eine Probefahrt eingestellt, Lederklamotten, Handschuhe, Stiefel und Helm lagen im Kofferaum. Während ich mich umzog wurde an der Tiger das rote Nummernschild befestigt, so dass ich mich sofort zu einer zweistündigen Fahrt durch den nördlichen Schwarzwald aufmachen konnte. Leider musste ich vorher erst noch durch den chaotischen Verkehr der Karlsruher Innenstadt hindurch. Wer weiß, wie Karlsruher Auto fahren, weiß, was ich meine.
Aber immerhin war das gleich eine gute Gelegenheit, das Verhalten der Tiger im Stadtverkehr und beim langsam fahren kennen zu lernen. Was mir hier negativ auffiel (und das sollte sich auch bis zum Ende der Tour nicht ändern) war die gewaltige Kraft, die die Kupplung benötigt. Gerade im Stadtverkehr ist das relevant, denn auf der Landstraße braucht man die Kupplung eh’ nur noch zum Herunterschalten. Die Sitzhöhe allerdings stimmt, sie gibt Sicherheit beim Stop-and-Go-Verkehr.
Dann war ich endlich auf der L605 unterwegs nach Ettlingen, um dort über die B3 ins Albtal zu fahren. Dies gab mit die Gelegenheit, dem nun warmen Motor das erste Mal die Sporen zu geben. Gut zieht sie los, absolut spurtreu trotz der Längsrillen und des doch recht heftigen Winds von Süden. Und auch das Gegenteil überzeugt: Brachial können die Bremsen zupacken, immer hervorragend dosierbar. Zwei Finger langen in den meisten Fällen, um die Tiger verlässlich abzustoppen. Mit etwas mehr Einsatz kann man auf trockenen Straßen das Hinterrad auch zum Abheben bringen. Das aber wollte ich denn doch auf dieser Fahrt nicht zum Exzess betreiben.

Hinter Marxzell kommen endlich die kleinen Nebenstraßen, die unter der Woche den Einheimischen gehören, auf denen man Motorräder und ihre Eigenheiten richtig ausprobieren kann. Hier zeigt die Tiger, dass sie inzwischen nicht mehr zu den Enduros zu zählen ist, dass sie ganz im Gegenteil ein vollwertiger Konkurrent der nackten Zunft ist. Leichtfüßig geht sie um die Kurven, eine einmal gewählte Linie behält sie absolut spurtreu bei, noch nicht einmal aggressives Bremsen oder abruptes Gasgeben stören den Fluß. Es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich nach rund 40 Minuten auf einem mir vorher unbekannten Motorrad einen Kontakt zwischen Angstnippeln und Straßenbelag herstellen konnte (oder wollte). Mit diesem Bike aber war das geradezu spielerisch möglich, schon in der ersten engeren Kurve ertönte ein vertrautes Kratzen von unten.
Die Kröpfung des Lenkers passt wunderbar zu meiner Sitzhaltung, an der Bank aber müsste ich etwas machen. Zu indifferent ist die Sitzkuhle, für meinen Geschmack gibt sie mir zu wenig Halt. Damit hängt auch der Winkel zusammen, um den meine Beine aufgespreizt werden. Leider viel zu weit vom Fahrer entfernt ist das Mäuseklavier für die Bedienung des “Bordcomputers”, um zwischen den verschiedenen Informationen hin- und herschalten zu können. Was mich aber richtig stört - auch wenn es sich nur um eine richtige Kleinigkeit handelt - ist die Verkleidung des Auspuffs auf der rechten Seite, die meinen Fuß in einen Winkel zwingt, der mir einfach nicht passt. Das fällt so lange nicht auf, so lange man den Mittelfuß auf der Raste stehen hat. Ich aber fahre im allgemeinen mit dem Vorderfuß auf der Raste, und dann stört es. Vielleicht lag das daran, dass das mir zur Verfügung gestellte Motorrad schon einen heftigeren Unfall hinter sich gebracht hatte (unter anderem war die Gabel verzogen und die Verkleidung gerissen), das werde ich aber auf einer weiteren, längeren Probefahrt, die wahrscheinlich eine ganze Woche umfassen wird, feststellen. Irgendein Händler in der Nähe meines Wohnorts wird mir sicher eine unfallfreie Maschine vermieten. Denn soviel ist klar: Dieses Bike macht Spaß, es hat mir das Grinsen ins Gesicht gemeiselt, und das nicht nur auf den kurvigen Hinterlandstraßen, sondern später auch auf der B36, auf der ich das Gas so lange stehen lies, bis der Tacho irgend etwas anzeigte, das mit “22″ begann. Aufrecht sitzend, ohne allzu angestrengte Halsmuskeln. Ich will allerdings nicht wissen, wie dann der Verbrauch aussieht. Der Tank hat nur 20 Liter Fassungsvermögen, wenn man von 6 Litern auf 100 Kilometer ausgeht, kommt man also auf eine theoretische Reichweite von 300 Kilometern. Das passt für eine Etappe.
Was allerdings meinem Fahrstil nicht entsprach ist die Einstellung von Federung und Dämpfung. Dies ist aber durch die volle Einstellbarkeit des Fahrwerks unproblematisch.
Mein Fazit? Was ein Ärger! Ich war davon ausgegangen, dass sich die Zahl der Kaufkandidaten im Laufe der Zeit verringert, stattdessen kommen immer mehr Bikes dazu, die mit voller Berechtigung laut “HIER” rufen. Durch die Tiger werden allerdings die Präferenzen etwas verschoben, die Shiver und die Striple müssen sich jetzt mit Platz zwei und drei zufrieden geben. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es für die Tiger die eine oder andere legale Möglichkeit gibt, die Leistung auf das Niveau der Speed Triple anzuheben. Mal sehen, wann ich mich endlich entscheiden kann.

Auf der anderen Seite ist ja die Vorfreude die schönste Freude, und dies ist einer der Gründe, weshalb ich auch die nächste Zeit mit dem Ausprobieren von verschiedenen Konzepten und Motorrädern verbringen werde.
Heut geht’s mir gut!
PS: Das Copyright für alle Fotos liegt bei Triumph
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22.11.2008 von Hubs.
Irgendwann im letzten Jahr war im “Motorrad” ein Bericht über eine schöne Reise durchs deutsche Hinterland abgedruckt. Um genau zu sein handelte es sich um den Spessart. Als fahrbarer Untersatz kam damals eine “Corsaro” zum Einsatz, von der ich bis dato nichts gehört oder gesehen hatte, und von der man in dem Bericht immer nur kleine Ausschnitte sehen konnte. Diese Ausschnitte aber machten mich neugierig: Ein Naked Bike mit sehr hübsch hochgelegtem Underseat-Auspuff, einer aggressiven Frontmaske und genau der richtigen Größe für einen Durchschnittsmenschen wie mich.

(c) Moto Morini
In den folgenden Monaten erkundigte ich mich über das Teil, und da Moto Morini-Händler ja nicht gerade weit verbreitet sind und im Umfeld meines Wohnorts keiner zu finden ist, zog sich sich das Ganze dahin. Bis ich durch einen Zufall erfuhr, dass die Firma März in Ettlingen Importeur für Moto Morini ist. Da ein Freund von mir sich für die Ducati 1098 interessierte und ebenfalls eine Probefahrt machen wollte, organisierte ich also für uns einen gemeinsamen Termin für eine “italienische Reise”.
An einem warmen Dienstag im Oktober ging es los Richtung Ettlingen, auf verschlungenen Nebenstraßen durch die Vorderpfalz und bei Wörth über den Rhein. In Ettlingen warteten die beiden Maschinen schon auf uns: Für Wolfgang eine 1098R (mit dem “R” hatte er nicht gerechnet!)

und für mich eine Corsaro Veloce (damit hatte ich nicht gerechnet).
Was ein Teil! Brutal sieht sie aus, richtig aggressiv, und doch sehr zierlich. Und erst die Geräusche nach dem Anlassen! Ein heiseres Grummeln und Fauchen kommt da aus dem wunderschön gestalteten Auspuff, und im Gegensatz zur Duc muss man bei der Corsaro nicht minutenlang am Gasgriff spielen, um den Motor über das erste Aufwachen zu bringen. Ganz im Gegenteil: Vom ersten Moment an reagiert sie willig auf alle Befehle, die man ihr mit der rechten Hand gibt. Denn natürlich probiere ich auf der ersten geraden Strecke auch die Bremse aus, ich will ja nicht von der Gewalt überrascht werden, die sie augenscheinlich an den Tag legen kann. Und wirklich: Auch auf trockener Straße und warmgefahrenen Reifen kann man das Vorderrad sehr leicht zum Blockieren bringen, man muss also sehr behutsam in die Bremse greifen.
Unsere Tour an diesem Tag führte uns auf kleinen Nebenstraße durch das Albtal, über Langensteinbach und den Dobel nach Bad Herrenalb, wo wir eine kurze Pause einlegten. Leider war es an diesem Tag schon recht feucht auf den Straßen, die ersten Blätter fielen von den Bäumen, wir waren daher gezwungen, es etwas langsamer angehen zu lassen. Trotzdem kann man eindeutig sagen, dass es einfach nur Spaß macht, die Teile zu bewegen. Das Kurvenverhalten ist bei langsamen Kurven gewöhnungsbedürftig, die Corsaro zeigt sich hier etwas kippelig, sobald es aber etwas schneller voran geht, gibt es nichts mehr zu bemängeln. Kein Aufstellen beim Bremsen in Kurven, keine übertriebenen Lastwechsel, keine unerwarteten Rückmeldungen vom Fahrwerk. Trotz des gewaltigen zur Verfügung stehenden Drehmoments hält sich die Wheelie-Neigung zurück, das zügige Überholen auf der Landstraße muss also nicht durch Herumturnen auf dem Sitz vorbereitet werden. Es langt, wenn man in normaler Fahrthaltung das rechte Handgelenk nach unten bewegt.
Nach der Pause fuhren wir über Loffenau und Gernsbach auf die B462 Richtung Rastatt, um von dort aus der Duc die Gelegenheit zu geben, auf der Autobahn bis nach Ettlingen ihrer Bestimmung - der schnellen Geradeausfahrt - nachzukommen. Was mich natürlich auch animiert hat, der Corsaro die Sporen zu geben. Aber was soll ich sagen: Ein Naked Bike ist nicht dazu gemacht, Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn zu fahren. Daher habe ich bei Tacho 230 den Gashahn wieder zugemacht und mich rechts eingereiht, wobei ich davon ausging, dass die Duc noch weiter ausgefahren wird. Doch meinem Freund war bei exakt diesem Tempo der rechte Spiegel um die Ohren geflogen, er hatte nach diesem Erlebnis ebenfalls genug von der schnellen Fahrt und ging gemeinsam mit mir wieder zurück auf eine sinnvolle Geschwindigkeit.
Zur Übersicht gibt es hier die Streckenkarte:
Fazit: Nach diesen knapp 80 km habe ich über acht Liter nachgetankt, die Corsaro hält sich also beim Schlucken nicht unbedingt zurück. Das Bike ist etwas zu klein für mich, ich muss mich zusammenfalten, um richtig darauf sitzen zu können. Was dann zur Folge hat, dass mir die Beine eingeschlafen sind. Das Motorrad hat ohne Zweifel viel Spaß gemacht, das alleine ist aber nicht kaufentscheidend. Die Corsaro landet ungefähr auf Platz Fünf meiner Favoriten, also nicht in einem Bereich, in dem sich Herr März Hoffnung machen könnte.
Das Fazit der 1098R sieht so aus: Zu groß (mein Freund musste sich strecken, um die Maschine richtig beherrschen zu können), starke Vibrationen jenseit der 200km/h, eine Neigung zum Pendeln bei hohen Geschwindigkeiten, ein weggeflogener Spiegel und ein heißer Hintern. Ob damit die Duc-Affinität des BMW-Fahrers beendet ist? Time will tell!
Noch eine Info am Rande: Es handelte sich hier nicht um eine kostenfreie Probefahrt, sondern um eine ganz normale bezahlte Kurzzeitmiete, in diesem Fall ohne Vollkasko-Versicherung!
Heut geht’s mir gut! ![]()
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28.10.2008 von Hubs.
Tja, über die Rückfahrt ist nicht viel zu erzählen. Nach der Abfahrt vom Hotel tanken wir erst einmal die Bikes auf. Das ist allerdings mit Schwierigkeiten verbunden, da die Tanks der Tanke zur Neige gehen und deshalb die Pumpen den Dienst einstellen… aber irgendwann klappt es dann doch im vierten Anlauf, und wir können die Tanks füllen.
Die Fahrt führt uns auf direktem Weg zur Autobahn. Vorbei an Rokycany, Pilsen, Stribo, der Grenze, die ganze Zeit durch einen sehr unangenehmen, konstanten Schnürlregen. Angedacht war, direkt hinter der Grenze in Waidhaus zu tanken und Pause zu machen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Seit Erstellung der Karten ist die Autobahn am Grenzübergang fertiggestellt, und damit kommt man auch nicht mehr an dem bisherigen Autohof vorbei. Diese neue Autobahn führt jetzt in angenehmer Linienführung durch die Lande, aber irgendwie gibt es weder Autobahnraststätten noch Autohöfe. Erst nach 260km kommen wir in Amberg zu einer Ausfahrt, bei der man schon von weitem das Shell-Zeichen erkennen kann. Also nichts wie runter von der Autobahn und auf direktem Wege zur Tankstelle. Das war für Einen von uns richtig knapp. Reststrecke: 0km.
Nach einer Kaffeepause geht es wieder hinaus in den Regen Richtung Nürnberg und Heilbronn. Inzwischen haben wir uns alle an das Wetter gewöhnt, und die Geschwindigkeit ist entsprechend angestiegen. Glücklicherweise achten die Autofahrer sehr gut auf uns, bis auf ein junges Mädchen, das glaubt, sie könnte durch uns durchfahren. Weder auf freier Strecke noch im Stau hält sie mehr als fünf Meter Abstand. Und wenn sie denn mal freie Fahrt hat, dann kann sie mit ihrem Polo gar nicht schneller. Erst in einer Baustelle überholt sie etwas waghalsig auf der rechten Spur, um dann für die nächsten 20 km hinter dem nächsten Auto zu hängen. Dieses Verhalten wird sie so lange pflegen, bis sie zum ersten Mal richtig bremsen muss und ihr dann klar werden wird, dass es nicht klappen KANN. Aber dann sind die anderen Schuld, die einfach bremsen und ihr keinen Platz lassen…
An der Raststätte Leutershausen überlegen wir, ob wir nicht eine Pause einlegen und anschließend ohne Regenkombis weiterfahren sollen, doch ein Blick auf den Himmel belehrt uns eines Besseren. Also geht es weiter, und an der Raststelle Hohenlohe Nord versuchen wir erneut unser Glück. Aber auch hier sieht es noch so bedrohlich aus, dass wir uns entschließen, bis Sinsheim durchzufahren. Und wirklich: Dort werden unsere Wünsche erfüllt, das Wetter spielt uns keinen Streich mehr, wir können ab hier im Trockenen, ohne die behindernden Regenkombis nach Hause fahren. Viel früher als erwartet kommen wir dort an, tanken ein letztes Mal die Bikes auf und verabschieden uns bis zur nächsten Fahrt. Ducati und Moto Morini rufen, doch davon später einmal mehr.
Heut geht’s mir gut! ![]()
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