Archive für April 2009

Hamburg ist tot!

Ich kann es nur wiederholen:

Hamburg ist tot.

Wie ein Mantra:

Hamburg ist tot.

Seit sechs Wochen bin ich jetzt hier in Hamburg, und in dieser Zeit habe ich es gerade einmal auf zwei Beiträge in diesem Blog gebracht. Und einer der beiden Einträge war ein Misserfolg. Beim zweiten, dem gestern verfassten über das WA-YO habe ich zwar die Küche richtig beschrieben, ich habe aber unterschlagen, dass ich beim ersten Mal alleine war, und beim zweiten Besuch nach einer Stunde ein zweiter Kunde erschien. In einem so guten Restaurant. Unvorstellbar.

Hamburg ist tot.

“Sausalitos” macht Werbung mit der Überschrift “Viel Spaß! Partys, Feiern, Events”. Und ausgerechnet im Sausalitos wurde mir zweimal innerhalb einer Woche gegen 20:30 Uhr der Eintritt verwehrt, weil die Küche schon zu hat. Einmal wurde mir wenigstens ein zweites Restaurant auf dem Jungfernstieg genannt, in dem ich auch Cocktails und Snacks bekommen könnte. Also bin ich hingelaufen. Das Restaurant war zu.

Hamburg ist tot.

In welcher anderen Stadt können sich die Stadtstreicher auf dem schönsten Platz der Fußgängerzone täglich ab 20:30 ohne Furcht auf Vertreibung versammeln?

Hamburg ist tot.

Wo sonst machen die Läden im Hauptbahnhof vor 21:00 Uhr zu?

Hamburg ist tot.

Ich habe vor kurzem gegen 20:00 Uhr bei einem “Subways” etwas zu essen holen wollen, stand aber vor verschlossenen Türen. Dieser Laden schließt um 19:00 Uhr.

Hamburg ist tot.

Letzte Woche war ich im Sushi Circle. Ich kam gegen 21:00 Uhr, zu dem Zeitpunkt war der Laden voll - im SC immer wichtig, um jederzeit frische Ware zu bekommen. Kaum jedoch hatte ich mich gesetzt und die Misosuppe vor mir stehen, als bis auf zwei weitere Gäste alle anderen innerhalb kürzester Zeit den Laden verließen. Ich wusste mir zu helfen und bestellte vom Koch Spezialitäten, dadurch kam ich in den Genuss von frischer Ware. Die Anderen, die das nicht wussten, gaben sich mit den Resten auf dem Band zufrieden. Ich ging dann als Letzter um 21:30. Viel früher als in anderen Städten, in denen der Laden auch zu diesem Zeitpunkt noch voll ist. Ich musste aber trotzdem den vollen Preis für das “All U Can Eat” bezahlen. Ich habe aber auch versucht, das zu verhindern.

Hamburg ist tot.

Vor Kurzem hörte ich aus einer Halle in der Nähe des Hauptbahnhofs eindeutig eine Liveband spielen. Also suchte ich den Eingang, und als ich ihn endlich gefunden hatte fand ich nur eine Person in der Halle vor, es war ein Techniker, der gerade die Lautsprecher für ein Konzert vorbereitete. Die Musik kam aus der Konserve.

Hamburg ist tot.

In welcher anderen Stadt wird ein Live-Konzert in einer angeblichen Jazz-Kneipe am Abend der Veranstaltung einfach so abgesagt? Weil zu wenig Besucher da sind? In Berlin habe ich Konzerte erlebt, bei denen ich neben den Angestellten der Kneipe der einzige Gast war. Abgesagt wurde deshalb trotzdem nichts. Wahrscheinlich wollte man hier in Hamburg nur ein paar zusätzliche zahlende Besucher bekommen.

Hamburg ist tot.

Oder doch nicht?

Gibt es irgend jemanden, der mich vom Gegenteil überzeugen kann?

Gibt es wenigstens einen Stadtteil, in dem das Leben pulsiert? Ich will eindeutig NICHT auf die Reeperbahn, ich will mich einfach nur vergnügen.

Und das möglichst in fußläufiger Entfernung zum Nahverkehr.

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Hamburgs Ruf ist gerettet! - WA-YO - Hamburg

Wie so oft saß ich an einem der letzten Tage vor dem Stadtplan von Hamburg und suchte nach einem Restaurant für das Abendessen, als mein Finger über das Hotel Nippon in Hamburg im Hofweg stolperte. Die Schlussfolgerung war schnell gezogen: Ich kenne kein japanisches Hotel, in dem nicht auch ein japanisches Restaurant zu finden ist.Und Tempura, Shabushabu oder auch Sushi waren gerade nach meinem Gusto. Zudem wollte ich Hamburg auch die Gelegenheit geben, seinen Ruf als kulinarische Hauptstadt des Nordens zu wahren. Also begab ich mich ins Internet, suchte unter den bekannten Stichworten und landete wirklich auf der Homepage des Nippon Hotels.

nippon-hotel-hamburg.PNG

Nicht schwer zu finden war auch der Link auf das zugehörige Restaurant WA-YO.

wa-yo.PNG

Ich entschuldige mich für die großen Bilder, aber mir gefällt die minimalistische, aber graphisch hervorragende Bildersprache der Seiten. Was mir besonders gefällt, was aber leider nur sehr selten zu finden ist, ist die Ablage der Speisekarte auf der Homepage. Dadurch kann man sich schon im Vorfeld auf die Speisenauswahl vorbereiten, man weiß, was auf einen zukommt, und man ist im Restaurant nicht enttäuscht, wenn eigentlich gewünschte Dinge nicht auf der Karte stehen. Meine Auswahl war eine klassische: Ohitashi als Vorspeise, Chirashi-Sushi und Spicy-Tuna als Hauptspeise, begleitet von einer Miso-Suppe, und als Abschluss ein kleines Sesam-Küchlein. Unterstützt wurde das Ganze von einem portugiesischen Weißwein (nein, kein vinho verde, aber aus einem Weingut, das für seine vinho verde berühmt ist. Nein, ich kenne das Weingut nicht, ich habe den Wein auf Empfehlung der Bedienung genommen) sowie dem obligatorischen grünen Tee.

Das Ohitashi (Blattspinat in Sesamsauce) war einfach klasse. Eine leicht flüssige Sauce, ohne die sonst übliche pastenartige Konsistenz, der Spinat bissfest gegart, die Bindung des Bündels so, dass sie mit den Stäbchen problemlos zu öffnen war. Was will man mehr? So muss Ohitashi schmecken, so soll es sein, nicht mehr und nicht weniger.

Inzwischen war auch der Tee gekommen, stilvoll in einer gusseisernen Kanne auf seinem eigenen Tablett. Für eine solche Kanne benötigt man kein Rechaud, sie hält den Inhalt auch zwei Stunden lang warm. Wenn so lange überhaupt noch etwas in ihr drin ist.

Jetzt überschlugen sich die Ereignisse: Genau wie bestellt kamen Chirashi-Sushi, Spicy Tunaroll und Misoshiru gleichzeitig an. Ein Tisch voll Essen, sehr schön drapiert, auch die Verteilung der Teller auf dem Tisch erfolgte nicht ganz zufällig.

wa-yo-sushi.PNG

Das Chirashi Sushi entsprach exakt meinen Vorstellungen: Auf einem dezent gesäuerten Reis waren ganz feine Julienne vom Noriblatt verteilt, darüber fand sich gleichmäßig verteilter Sesam-Samen und Lachs-Rogen, und auf diese Unterlage waren Wolfsbarsch, Salzwasser-Garnele, Lachs, Thunfisch, Tamago (süßes Omelette), und Gurke kunstvoll angerichtet. Begleitet natürlich von Wasabi und Gari (Meerrettich und Ingwer).

Genauso ansprechend gab sich die Spicy Tunaroll, ein sehr schönes California-Maki vom Thunfisch, nur ganz leicht geschärft. Wie es sich gehört gab es zum Sushi die Miso-Suppe. Zum Thema Suppe muss ich jetzt die Homepage des Restaurants zitieren:

misosuppe.PNG

Hm. Laut dieser Information ist es das Kennzeichen eines Meisters, eine Suppe mit sehr wenig Eigengeschmack produzieren zu können. Mir hat die servierte Suppe geschmeckt - aber sie war sehr gut gewürzt, manchen wäre sie wohl zu intensiv gewesen. Ist das jetzt ein Zeichen dafür, dass kein Meister hinter der Theke stand? Ich finde nicht.

Der portugiesische Weißwein hat sich als runder Begleiter zu dem Essen erwiesen, er hat jede Nuance der Fische und Gewürze unterstrichen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Ebenso der grüne Tee, es war leider kein Genmai-Cha (der ist nur sehr selten zu bekommen), er war aber trotzdem ein gefälliger Neutralisator der verschiedenen Geschmäcker des Essens.

Ich versuchte es dann doch, ob ich ein Inari-Sushi als Nachspeise bekommen könnte, aber leider waren die süßen Tofutaschen nicht vorrätig. Statt dessen suchte ich mir aus den Mini-Desserts ein gebackenes Sesam-Küchlein mit selbstgemachtem Ananas-Sorbet aus. Diese Mini-Desserts sind wirklich eine nette Idee. Das Sesam-Küchlein entpuppte sich als mit Sesam-Paste gefülltes, gebackenes Wan-Tan-Blatt, ungefähr mit dem Durchmesser eines Euro-Stücks. Begleitet wurde es von einem Miniatur-Schnitz einer Melone, einer Erdbeere sowie einer Kugel fein geraspelten Ananas-Eises. Selbst das als Garnitur beigefügte Minze-Blatt trug mit seinem nur ganz leicht zu riechenden Aroma zur Abrundung dieser Nachspeise bei.

Das Fazit dieses Abends ist einfach: Dieses Restaurant ist einfach nur empfehlenswert, der gute Ruf von Hamburg als Sushi-Metropole ist wiederhergestellt.

Name WA-YO im Nippon Hotel
Angebot Sushi et altera
Adresse Hofweg 75
Ort Hamburg
PLZ 22085
Land Deutschland
Telefon +49 40 227 11 40
Telefax +49 40 227 11 490
Email info@wa-yo.de
Homepage http://www.wa-yo.de
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag
18:00 - 24:00 Uhr
Küche bis 23:00 Uhr

Heut geht’s mir gut! 8)

Triumph Tiger 1050

Früher war alles besser. Früher gab es nur zwei oder drei Moppeds, die für mich zur Auswahl standen. Ich wollte ein Naked Bike haben, mit hinreichend Power, agil, um die Straßen des Pfälzer Walds unsicher zu machen, aber auch in der Lage, Gepäck für ein verlängertes Wochenende mitzuführen. Eine Reise-Enduro kam wegen der fehlenden Agilität nicht in Frage. Egal, ob es die V-Strom mit dem genialen Motor der TL1000 oder die Varadero war, die passten alle nicht. Genauso wenig die ursprüngliche Tiger, die zu hoch, zu ungeschlacht daher kam.

Letzte Woche bin ich bei Moto-Plus in Karlsruhe vorbeigefahren, um mir ein paar gebrauchte Nackte anzusehen. Und da sah ich neben einer Aprilia Shiver und der genau so interessanten Street Triple die neue Triumph Tiger 1050 stehen. Nicht mehr die Wuchtbrumme von früher, fast schon graziös steht sie da. Nicht mehr diese übertriebene Verkleidung des Vorderbaus, vielmehr ein gut integrierter Windschutz umhüllt da die Front des Motorrads. Dies ist nicht mehr die riesige Reiseenduro, dies ist eine schöne, fast nackte Fahrmaschine.

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Von vorne wirkt sie sogar richtig aggressiv, von der früheren Sitzhaltung in Augenhöhe mit den LKW-Lenkern ist nichts mehr zu finden.

Zum Glück war ich auf eine Probefahrt eingestellt, Lederklamotten, Handschuhe, Stiefel und Helm lagen im Kofferaum. Während ich mich umzog wurde an der Tiger das rote Nummernschild befestigt, so dass ich mich sofort zu einer zweistündigen Fahrt durch den nördlichen Schwarzwald aufmachen konnte. Leider musste ich vorher erst noch durch den chaotischen Verkehr der Karlsruher Innenstadt hindurch. Wer weiß, wie Karlsruher Auto fahren, weiß, was ich meine. ;-) Aber immerhin war das gleich eine gute Gelegenheit, das Verhalten der Tiger im Stadtverkehr und beim langsam fahren kennen zu lernen. Was mir hier negativ auffiel (und das sollte sich auch bis zum Ende der Tour nicht ändern) war die gewaltige Kraft, die die Kupplung benötigt. Gerade im Stadtverkehr ist das  relevant, denn auf der Landstraße braucht man die Kupplung eh’ nur noch zum Herunterschalten. Die Sitzhöhe allerdings stimmt, sie gibt Sicherheit beim Stop-and-Go-Verkehr.

Dann war ich endlich auf der L605 unterwegs nach Ettlingen, um dort über die B3 ins Albtal zu fahren. Dies gab mit die Gelegenheit, dem nun warmen Motor das erste Mal die Sporen zu geben. Gut zieht sie los, absolut spurtreu trotz der Längsrillen und des doch recht heftigen Winds von Süden. Und auch das Gegenteil überzeugt: Brachial können die Bremsen zupacken, immer hervorragend dosierbar. Zwei Finger langen in den meisten Fällen, um die Tiger verlässlich abzustoppen. Mit etwas mehr Einsatz kann man auf trockenen Straßen das Hinterrad auch zum Abheben bringen. Das aber wollte ich denn doch auf dieser Fahrt nicht zum Exzess betreiben.

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Hinter Marxzell kommen endlich die kleinen Nebenstraßen, die unter der Woche den Einheimischen gehören, auf denen man Motorräder und ihre Eigenheiten richtig ausprobieren kann. Hier zeigt die Tiger, dass sie inzwischen nicht mehr zu den Enduros zu zählen ist, dass sie ganz im Gegenteil ein vollwertiger Konkurrent der nackten Zunft ist. Leichtfüßig geht sie um die Kurven, eine einmal gewählte Linie behält sie absolut spurtreu bei, noch nicht einmal aggressives Bremsen oder abruptes Gasgeben stören den Fluß. Es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich nach rund 40 Minuten auf einem mir vorher unbekannten Motorrad einen Kontakt zwischen Angstnippeln und Straßenbelag herstellen konnte (oder wollte). Mit diesem Bike aber war das geradezu spielerisch möglich, schon in der ersten engeren Kurve ertönte ein vertrautes Kratzen von unten.

Die Kröpfung des Lenkers passt wunderbar zu meiner Sitzhaltung, an der Bank aber müsste ich etwas machen. Zu indifferent ist die Sitzkuhle,  für meinen Geschmack gibt sie mir zu wenig Halt. Damit hängt auch der Winkel zusammen, um den meine Beine aufgespreizt werden. Leider viel zu weit vom Fahrer entfernt ist das Mäuseklavier für die Bedienung des “Bordcomputers”, um zwischen den verschiedenen Informationen hin- und herschalten zu können. Was mich aber richtig stört - auch wenn es sich nur um eine richtige Kleinigkeit handelt - ist die Verkleidung des Auspuffs auf der rechten Seite, die meinen Fuß in einen Winkel zwingt, der mir einfach nicht passt. Das fällt so lange nicht auf, so lange man den Mittelfuß auf der Raste stehen hat. Ich aber fahre im allgemeinen mit dem Vorderfuß auf der Raste, und dann stört es. Vielleicht lag das daran, dass das mir zur Verfügung gestellte Motorrad schon einen heftigeren Unfall hinter sich gebracht hatte (unter anderem war die Gabel verzogen und die Verkleidung gerissen), das werde ich aber auf einer weiteren, längeren Probefahrt, die wahrscheinlich eine ganze Woche umfassen wird, feststellen. Irgendein Händler in der Nähe meines Wohnorts wird mir sicher eine unfallfreie Maschine vermieten. Denn soviel ist klar: Dieses Bike macht Spaß, es hat mir das Grinsen ins Gesicht gemeiselt, und das nicht nur auf den kurvigen Hinterlandstraßen, sondern später auch auf der B36, auf der ich das Gas so lange stehen lies, bis der Tacho irgend etwas anzeigte, das mit “22″ begann. Aufrecht sitzend, ohne allzu angestrengte Halsmuskeln. Ich will allerdings nicht wissen, wie dann der Verbrauch aussieht. Der Tank hat nur 20 Liter Fassungsvermögen, wenn man von 6 Litern auf 100 Kilometer ausgeht, kommt man also auf eine theoretische Reichweite von 300 Kilometern. Das passt für eine Etappe.

Was allerdings meinem Fahrstil nicht entsprach ist die Einstellung von Federung und Dämpfung. Dies ist aber durch die volle Einstellbarkeit des Fahrwerks unproblematisch.

Mein Fazit? Was ein Ärger! Ich war davon ausgegangen, dass sich die Zahl der Kaufkandidaten im Laufe der Zeit verringert, stattdessen kommen immer mehr Bikes dazu, die mit voller Berechtigung laut “HIER” rufen. Durch die Tiger werden allerdings die Präferenzen etwas verschoben, die Shiver und die Striple müssen sich jetzt mit Platz zwei und drei zufrieden geben. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es für die Tiger die eine oder andere legale Möglichkeit gibt, die Leistung auf das Niveau der Speed Triple anzuheben. Mal sehen, wann ich mich endlich entscheiden kann.

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Auf der anderen Seite ist ja die Vorfreude die schönste Freude, und dies ist einer der Gründe, weshalb ich auch die nächste Zeit mit dem Ausprobieren von verschiedenen Konzepten und Motorrädern verbringen werde.

Heut geht’s mir gut! 8)

 

PS: Das Copyright für alle Fotos liegt bei Triumph

Die Kunst, Chirashi Sushi zuzubereiten oder So Nicht, Herr Henssler!

Das beste Chirashi Sushi, das man in Deutschland bekommen konnte, wurde im Sushi Duke in München am Platzerl serviert. Dieses Lokal wurde jedoch leider durch eine Restaurant-Kette übernommen und kurz darauf geschlossen.

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Chirashi Sushi ist eigentlich eine recht einfache Form, Sushi zuzubereiten: Der gesäuerte Reis wird in eine Schüssel gefüllt, Gemüse, Pilze, Garnelen und Fisch werden darauf verteilt und serviert. Jetzt kann jeder für sich selbst in dieser Schüssel die Zutaten mischen, sie mit Sojasauce und/oder Wasabi würzen und essen. Ebenso kann man auch die Stückchen von der Oberfläche des Reis wie Sashimi essen und den Reis als Beilage ansehen.

Die Zubereitung von Chirashi Sushi kann aber auch eine Kunst sein. Nämlich dann, wenn sich der Sushi-Koch Gedanken macht über die Gewürze, mit denen der Reis versehen wird, die Form und Anordnung der Stücke auf dem Reis,die farbliche Zusammenstellung und natürlich das Gefäß, in dem es serviert wird. Bei Sushi Duke zum Beispiel war es eine große Platte, auf dem Reisbällchen verteilt waren. Diese waren mit kleingeschnittenen Noriblättern und verschiedenen Fischrogensorten verziert, und über das ganze wurden dann das Sashimi von vielfältigen verschiedenen Fischen verteilt.

Etwas  anders wird es im Sushisho in Frankfurt im Hotel Maritim kredenzt: Hier gibt es eine Schüssel mit gesäuertem Reis, auf dem Noristücke, Gewürze und Fischrogen verteilt sind, und eine zweite Schüssel, in dem Fisch und Gemüse appetitlich angerichtet sind.

Im Tokyo in Mannheim (L15,20) wird in einer Schüssel der Reis mit den Gewürzen und dem Rogen versehen, darauf werden dann Fisch und Gemüse angerichtet.

Was mir aber gestern  als Chirashi Sushi vorgesetzt wurde geht absolut nicht. Auf der einen Hälfte eines hantelförmigen Tellers fand sich eine kugelförmige Portion Standard-Reis, nicht gesäuert und auch nicht gewürzt, umgeben von fünf Stücken Lachs, sechs Stücken Thunfisch und ein paar Fetzen Wolfsbarsch (glaube ich, ich bin mir aber nicht sicher - zu schmecken war jedenfalls nichts). Auf der anderen Seite fand sich gemischtes Tempura, das komplett versalzen und zudem mit einer Mayonaise-Pampe überzogen war, die jeglichen Geschmack - bis auf das Salz - wirkungsvoll zu unterdrücken verstand. Man kann so etwas servieren, aber eines ist klar: Mit Chirashi Sushi hat das nicht, aber auch garnichts mehr zu tun.

Dabei hatte der Abend ganz nett angefangen: Ich hatte das Glück, den letzten freien Platz an der Bar zu bekommen, mit direktem Blick auf Herrn Henssler. Auch wenn ich einige Küchen aus dem internen Blickwinkel heraus kenne, ist es doch immer wieder interessant, die formellen und informellen Meldewege und die Beziehungen der Akteure untereinander zu beobachten.

Da mir das angebotene Menü nicht zusagte bestellte ich mir eine Misosuppe, einmal Edamame, eine Portion gemischtes Tempura sowie das oben beschriebene Chirashi Sushi. Als Getränk wählte ich mir den Riesling von Künstler sowie natürlich eine Karaffe Wasser.

Die Misosuppe war klasse: Genau richtig gewürzt, die Temperatur stimmte, die Menge Tofu und  Frühlingszwiebel war auch passend. Auch beim Edamame gab es nichts auszusetzen. Eine wirklich große Portion, auf den Punkt gegart und mit einer Spur Salz (Fleur de Sel?) überstäubt. Diese Portion begleitete mich den ganzen Abend über.

Das gemischte Tempura hatte eine prima Konsistenz, bissfest, auf den Punkt gegart, der Teig war nicht vordringend und die Menge stimmte auch. Stutzig machte mich allerdings die Auswahl an Saucen, die dazu gereicht wurden: Ein ingwerlastiges Mungo-Chutney, die oben schon erwähnte Mayonaise sowie eine wie auch immer gewürzte Soja-Sauce. Es fehlte die übliche Tentsuyu mit geriebenem Rettich, von der Tempura normalerweise begleitet wird.

Und dann kam das besagte Chirashi Sushi, das leider meine Stimmung komplett zum Kippen brachte. Sicher, in der Speisekarte steht “Sashimi und Tempura”, aber dass es sich als eine so unsägliche, lieblos angerichtete Geschichte entpuppt, hätte ich denn doch nicht erwartet. Nach dieser Erfahrung hat mich dann auch der Preis geärgert, der für den Riesling aufgerufen wurde.

Nach dieser Erfahrung bin ich froh, dass es letzte Woche nicht geklappt hat, als ich mit Kollegen vor der Frage stand, in welches Restaurant wir gehen sollen. Ich werde jedenfalls in Zukunft einen großen Bogen um Hennsler & Hennsler machen.

Name Henssler & Hennsler
Angebot Sushi et altera
Adresse Große Elbstraße 160
Ort Hamburg
PLZ 22767
Land Deutschland
Telefon +49 40 38 69 90 00
Telefax +49 40 38 69 90 55
Email info@hensslerhenssler.de
Homepage http://www.hensslerhenssler.de
Öffnungszeiten Montag bis Samtag
12:00 - 15:00 Uhr
18:00 - 23:30

Heut geht’s mir gut! 8)

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