Archive für 22.11.2008

Moto Morini Corsaro Veloce

Irgendwann im letzten Jahr war im “Motorrad” ein Bericht über eine schöne Reise durchs deutsche Hinterland abgedruckt. Um genau zu sein handelte es sich um den Spessart. Als fahrbarer Untersatz kam damals eine “Corsaro” zum Einsatz, von der ich bis dato nichts gehört oder gesehen hatte, und von der man in dem Bericht immer nur kleine Ausschnitte sehen konnte. Diese Ausschnitte aber machten mich neugierig: Ein Naked Bike mit sehr hübsch hochgelegtem Underseat-Auspuff, einer aggressiven Frontmaske und genau der richtigen Größe für einen Durchschnittsmenschen wie mich.

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(c) Moto Morini

In den folgenden Monaten erkundigte ich mich über das Teil, und da Moto Morini-Händler ja nicht gerade weit verbreitet sind und im Umfeld meines Wohnorts keiner zu finden ist, zog sich sich das Ganze dahin. Bis ich durch einen Zufall erfuhr, dass die Firma März in Ettlingen Importeur für Moto Morini ist. Da ein Freund von mir sich für die Ducati 1098 interessierte und ebenfalls eine Probefahrt machen wollte, organisierte ich also für uns einen gemeinsamen Termin für eine “italienische Reise”.

An einem warmen Dienstag im Oktober ging es los Richtung Ettlingen, auf verschlungenen Nebenstraßen durch die Vorderpfalz und bei Wörth über den Rhein. In Ettlingen warteten die beiden Maschinen schon auf uns: Für Wolfgang eine 1098R (mit dem “R” hatte er nicht gerechnet!)

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und für mich eine Corsaro Veloce (damit hatte ich nicht gerechnet).

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Was ein Teil! Brutal sieht sie aus, richtig aggressiv, und doch sehr zierlich. Und erst die Geräusche nach dem Anlassen! Ein heiseres Grummeln und Fauchen kommt da aus dem wunderschön gestalteten Auspuff, und im Gegensatz zur Duc muss man bei der Corsaro nicht minutenlang am Gasgriff spielen, um den Motor über das erste Aufwachen zu bringen. Ganz im Gegenteil: Vom ersten Moment an reagiert sie willig auf alle Befehle, die man ihr mit der rechten Hand gibt. Denn natürlich probiere ich auf der ersten geraden Strecke auch die Bremse aus, ich will ja nicht von der Gewalt überrascht werden, die sie augenscheinlich an den Tag legen kann. Und wirklich: Auch auf trockener Straße und warmgefahrenen Reifen kann man das Vorderrad sehr leicht zum Blockieren bringen, man muss also sehr behutsam in die Bremse greifen.

Unsere Tour an diesem Tag führte uns auf kleinen Nebenstraße durch das Albtal, über Langensteinbach und den Dobel nach Bad Herrenalb, wo wir eine kurze Pause einlegten. Leider war es an diesem Tag schon recht feucht auf den Straßen, die ersten Blätter fielen von den Bäumen, wir waren daher gezwungen, es etwas langsamer angehen zu lassen. Trotzdem kann man eindeutig sagen, dass es einfach nur Spaß macht, die Teile zu bewegen. Das Kurvenverhalten ist bei langsamen Kurven gewöhnungsbedürftig, die Corsaro zeigt sich hier etwas kippelig, sobald es aber etwas schneller voran geht, gibt es nichts mehr zu bemängeln. Kein Aufstellen beim Bremsen in Kurven, keine übertriebenen Lastwechsel, keine unerwarteten Rückmeldungen vom Fahrwerk. Trotz des gewaltigen zur Verfügung stehenden Drehmoments hält sich die Wheelie-Neigung zurück, das zügige Überholen auf der Landstraße muss also nicht durch Herumturnen auf dem Sitz vorbereitet werden. Es langt, wenn man in normaler Fahrthaltung das rechte Handgelenk nach unten bewegt.

Nach der Pause fuhren wir über Loffenau und Gernsbach auf die B462 Richtung Rastatt, um von dort aus der Duc die Gelegenheit zu geben, auf der Autobahn bis nach Ettlingen ihrer Bestimmung - der schnellen Geradeausfahrt - nachzukommen. Was mich natürlich auch animiert hat, der Corsaro die Sporen zu geben. Aber was soll ich sagen: Ein Naked Bike ist nicht dazu gemacht, Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn zu fahren. Daher habe ich bei Tacho 230 den Gashahn wieder zugemacht und mich rechts eingereiht, wobei ich davon ausging, dass die Duc noch weiter ausgefahren wird. Doch meinem Freund war bei exakt diesem Tempo der rechte Spiegel um die Ohren geflogen, er hatte nach diesem Erlebnis ebenfalls genug von der schnellen Fahrt und ging gemeinsam mit mir wieder zurück auf eine sinnvolle Geschwindigkeit.

Zur Übersicht gibt es hier die Streckenkarte:

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Fazit: Nach diesen knapp 80 km habe ich über acht Liter nachgetankt, die Corsaro hält sich also beim Schlucken nicht unbedingt zurück. Das Bike ist etwas zu klein für mich, ich muss mich zusammenfalten, um richtig darauf sitzen zu können. Was dann zur Folge hat, dass mir die Beine eingeschlafen sind. Das Motorrad hat ohne Zweifel viel Spaß gemacht, das alleine ist aber nicht kaufentscheidend. Die Corsaro landet ungefähr auf Platz Fünf meiner Favoriten, also nicht in einem Bereich, in dem sich Herr März Hoffnung machen könnte.

Das Fazit der 1098R sieht so aus: Zu groß (mein Freund musste sich strecken, um die Maschine richtig beherrschen zu können), starke Vibrationen jenseit der 200km/h, eine Neigung zum Pendeln bei hohen Geschwindigkeiten, ein weggeflogener Spiegel und ein heißer Hintern. Ob damit die Duc-Affinität des BMW-Fahrers beendet ist? Time will tell!

Noch eine Info am Rande: Es handelte sich hier nicht um eine kostenfreie Probefahrt, sondern um eine ganz normale bezahlte Kurzzeitmiete, in diesem Fall ohne Vollkasko-Versicherung!

Heut geht’s mir gut! 8)

Kado Sushi - Bielefeld

Mich hat es sozusagen “im Vorbeifahren”, also ohne lokales Ziel nach Bielefeld verschlagen. Was macht man, wenn man in einer fremden Stadt ohne Begleitung und vor allem: Ohne Ortskenntnisse etwas unternehmen will? Man geht einfach los. Was ich gemacht habe.

Bielefeld im Dunkeln. Obwohl es erst gegen 21:00 Uhr war, war ich alleine auf der Straße. Man hätte an diesem Abend problemlos einen Endzeitthriller drehen können, in dem es um eine Welt geht, in der die Menschheit ausgestorben ist, man hätte nichts absperren müssen. Es gab weder Passanten noch Autos, nur ein Hund lief mir über den Weg. Ich frage mich jetzt, ob das an Bielefeld oder an etwas anderem lag…

Nun gut. Nach einer viertel Stunde hatte ich einige Restaurants und Kneipen passiert, die aber alle auch seltsam ausgestorben waren, bis ich endlich einen hell erleuchteten Ort in der Ferne auftauchen sah. Wie eine rettende Insel oder wie das Cafe in Hoppers “Nighthawk” lag da das “Kado Sushi”.

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Ein gutes Zeichen beim Besuch eines unbekannten Restaurants ist immer, wie viele Leute sich gerade darin aufhalten. Hier bekam ich einen der letzten Plätze, ich konnte also alleine vom Augenschein her schon einmal sicher sein, nicht schlecht zu essen.

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Das Ambiente ist passend schlicht gehalten: Einfache Holztische mit geraden Stühlen, etwas erhöhte, barähnliche Tische mit Hockern in den Fenstern sowie die obligatorische Bar stellen die Einrichtung dar. Im Hintergrund läuft Loungemusik, so dass man auch trotz der nicht vorhandenen Raumtextilien von den Gesprächen der anderen Gäste nur sehr wenig mitbekommt.

Die Speisekarte präsentiert sich ähnlich spartanisch, eine einfache Holzplatte mit einer Ordnermechanik hält die Karten, auf denen sich die Auswahl der verschiedenen Bereiche (Vorspeise, Hauptspeise, etc.) befindet. Einen kleinen Eindruck davon kann man bekommen, wenn man sich die pdf-Version davon ansieht (aus der ich auch die Bilder ausgeschnitten habe).

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Endlich einmal ein Restaurant, in dem ich meinen Lieblingstee zu trinken bekomme! Wer jemals einen Genmaicha probiert hat, wird ihn immer trinken wollen, wenn er ihn bekommen kann. Dies ist nicht nur ein besonderer grüner Tee, er ist auch noch mit geröstetem Puffreis aromatisiert. Ein wunderbarer Begleiter zu japanischem Essen, da er in der Lage ist, die Geschmacksnerven immer wieder zurückzusetzen, sie also auf neue Eindrücke vorzubereiten. Zur Unterstützung der Verdauung habe ich mir dann noch einen Daiginjo Sake gegönnt, auch das bekommt man nicht in jedem Restaurant angeboten.

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Zum Essen: Da ich die Portionsgröße hier noch nicht kenne, halte ich mich bei der Speisenauswahl erst einmal zurück. Misosuppe ist obligatorisch zum Sushi, aber Kimuchi - scharf eingelegten Kohl - bekommt man nicht überall. Also wird der bestellt. Und als “Hauptspeise” wähle ich eine Bento-Box, in diesem Fall eine Vorauswahl aus sechs Maki-, fünf Nigiri- und einem Gunkan Sushi. Um es kurz zu machen: Der Fisch ist ausnahmslos frisch, der gegrillte Seeaal ist klasse, der Reis in genau der richtigen Konsistenz, es gibt nichts auszusetzen. Bis auf die Tatsache, das ich nicht satt werde. Aber das bin ich ja gewöhnt, ich habe mir daher noch zwei Inari als Nachspeise bringen lassen. Die hier gezeigten Bilder stellen übrigens effektiv die Qualität des Essens dar, das mir an diesem Abend kredenzt wurde.

Selten habe ich ein Restaurant erlebt, das bei aller Nüchternheit eine so angenehme Atmosphäre ausstrahlt. Der Erfolg war, dass ich nach dem Essen noch rund 30 Minuten sitzenblieb, um die Straßenszene vor dem Fenster, die anderen Gäste und die Bedienung zu beobachten.

Fazit: Sollte es mich jemals wieder nach Bielefeld verschlagen, werde ich sicher wieder hier vorbeischauen. Sollte Bielefeld bis dahin nicht ganz ausgestorben sein. ;-)

Name Kado Sushi
Angebot Sushi
Adresse Karl-Eilers-Straße 24
Ort Bielefeld
PLZ 33602
Land Deutschland
Telefon +49 521 560 8900
Telefax
Email info@kado-sushi.de
Homepage http://www.kado-sushi.de
Öffnungszeiten Di.-So. 12:00-15:00 und 18:00-23:00

Heut geht’s mir gut! 8)

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