Archive für Dezember 2007

Weihnachtlicher Wildschweinrücken

Jedes Jahr am 24. Dezember trifft sich ab 12:00 Uhr unsere Nachbarschaft an einem Vorgartenmäuerle zu Glühwein und Gutsele, also Brödle oder besser gesagt Weihnachtsgebäck auf der Straße und lässt das vergangene Jahr Revue passieren.

Es ist schon witzig, wie sich dabei die vorbeifahrenden Autofahrer verhalten: Die meisten freuen sich, viele grüßen, auch wenn sie niemanden von uns kennen, ein paar halten an, um einen kleinen Schnack zu halten, und nur ganz wenige tun so, als bemerkten sie nichts. Nun gut.

Dieses Jahr hatte das Treffen eine Folge, die ich nicht bedacht hatte: Im Laufe des Jahres hatte mir befreundeter Jäger, bei dem ich einen ganz jungen (Milch-)Frischling bestellt hatte, einen Überläufer von 40 kg beschafft, für den meine Tiefkühlkapazitäten einfach nicht ausreichten. Also habe ich damals eine liebe Nachbarin angehauen und sie gebeten, mir eine Schublade in ihrem Gefrierschrank zur Verfügung zu stellen. Was sie auch gerne gemacht hat, vor allem, weil ich ihr als Gegenleistung einen Teil der Sau versprochen habe. Tja, und zu Weihnachten wollte sie diese Schublade wieder zurückhaben. Was bedeutete, dass ich in relativ kurzer Zeit viel Schwein verarbeiten musste. Und das zu dieser Jahreszeit, in der es sonst ja nicht viel zu essen gibt… also entschied ich mich dazu, einen Wildschweinrücken zuzubereiten, da ich dazu nicht nur den Rücken, sondern auch die Rippenlappen sowie anderen “Kleinkram” verarbeiten konnte und damit den nötigen Platz für die ausquartierten Teile gewann. Der Rücken hatte ungefähr 20 cm Länge und war genau richtig für zwei hungrige Mäuler.

Den Rücken und die anderen Teile habe ich zwei Tage im Kühlschrank auftauen und anschließend in einer Marinade aus Buttermilch, Rotwein (das muss jetzt wirklich kein guter sein, ich verwende dazu einen etwas obskuren “Cuvee St. Moritz”, der mir irgend wann einmal zugelaufen ist) und etwas Rotweinessig für zwei Tage bei Zimmertemperatur reifen lassen. Wenn es denn so weit ist, werden die Teile aus der Marinade (die anschließend in den Orkus wandert) genommen und mit Papiertüchern leicht getrocknet. Der Rücken wird ausgelöst und pariert, die eventuell anhängenden Filets für ein anderes Essen beiseite gestellt.

Für die Soße braucht man:

die Knochen und Abschnitte des Rückens, sowie beliebige andere “Abfallteile”
1 Bund Suppengemüse (1 Karotte, 1 Stück Sellerie, 1 Stück Lauch
1 Orange
1 Zwiebel
1 Lorbeerblatt
1 TL Zimt (oder eine Zimtstange)
2 Sternanis
4 Wacholderbeeren
8 Nelken
400 g reife Tomaten enthäutet und entkernt ODER 1 Dose Tomaten
1 EL Butter
400 g Egerlinge
250 ml Sahne
500 ml Rotwein (Kochwein, also ein Wein für den Koch) ;-)

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Die Knochen und Abschnitte werden auf einem Backblech unter dem Grill innerhalb von 20-30 Minuten geröstet, um Aroma zu bekommen. Dabei muss regelmäßig etwas Wasser in das Backblech gegossen werden, um zu vermeiden, dass der austretende Saft anbrät.

Das Suppengemüse wird grob gewürfelt und in einem großen Topf in der Butter angeschwitzt. Die (geschälte) Zwiebel wird mit den Nelken gespickt und zusammen mit den Knochen, den Abschnitten, dem Saft vom Backblech, den Gewürzen, der filetierten Orange und dem Wein ebenfalls in den Topf gegeben. Man füllt mit Wein oder Wasser auf, bis die Knochen bedeckt sind. Diesen Topf stellt man in den auf 120 Grad erhitzten Backofen und lässt ihn dort für 3-4 Stunden. Anschließend wird die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen, die klein geschnittenen Egerlinge werden hinein gegeben und das Ganze reduziert, bis man die gewünschte Konsistenz erhält. Wer möchte, kann die Soße mit Sahne, Wein oder einem Gelee variieren. Und jetzt darf man sie auch mit Pfeffer und Salz abschmecken.

1 ausgelöster Wildschweinrücken
2 EL Butter
Pfeffer
Salz

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Während dessen wird der Rücken gesalzen und gepfeffert und in einer Pfanne mit 2 EL Butter von allen Seiten angebraten (nein, nicht um die Poren zu schließen, das ist eine Mär, sondern um Aroma zu bekommen) und anschließend für 30-40 Minuten (je nach Dicke) in den immer noch 120 Grad heißen Backofen gegeben. Den Rücken für 5 Minuten ruhen lassen, in Medaillons schneiden und mit der Soße zusammen servieren.

Als Beilage gab es natürlich die bereits erwähnten Spätzle, übriggeblieben ist außer einem weiteren Rettungsring nichts.

Heut geht’s mir gut! 8)

Mediterrane - Karlsruhe Durlach

“Man soll die Feste feiern, wie sie fallen” sagt ein deutsches Sprichwort, und an das halten wir uns auch. Ganz nach meinem Motto: “Heut gehts mir gut!” nutzen wir also fast jede Gelegenheit, uns mit lieben Menschen in einer netten Umgebung zu treffen. Als dann letzte Woche eine Einladung zu einem gemütlichen Treffen eintrudelte, haben wir natürlich sofort zugegriffen. Vor allem, weil wir in dem Restaurant schon einmal einen netten Abend erlebt haben.

Gestern war es also so weit: Wir trafen uns im Restaurant Mediterrane in Karlsruhe Durlach. Schon die Anreise ist ein Erlebnis, denn Durlach mag vieles haben, eines aber fehlt komplett: Parkplätze. Uns so kurvten wir denn erst einmal durch die netten kleinen Gässchen in der Altstadt. Wir haben dann doch noch einen Platz gefunden, aber das nervt doch ein Bisschen.

Gestern war natürlich genau der richtige Abend um aus zu gehen: Ein Samstag vor Weihnachten, der Tag, an dem die meisten Selbstständigen ihren eigenen Ausstand feiern. Entsprechend voll war es in dem Restaurant, aber das konnte weder unserer Laune noch der der Bedienung Abbruch tun.

Zum Empfang gab es erst einmal einen Rose-Champagner von Ruinart, bestens geeignet, den Gaumen auf die weiteren Genüsse des Abend einzustimmen. Da ich selbst den Fahrer für diesen Abend mimte blieb mir nichts anderes übrig, als beim Champagner für den Rest des Abends zu bleiben. Die anderen stiegen dann auf einen Arneis um, der ebenfalls gut zum gewählten Essen passte.

Neben der “üblichen” Karte bot uns der Sohn des Hauses eine Kombination von Garnelen, Jakobsmuscheln und Wildkräutern an, als Hauptspeise dann einen gegrillten Seewolf. Die Qualität der Speisen ließ in keinerlei Hinsicht zu wünschen übrig, wir waren rundum zufrieden. Obwohl: Bei unserem ersten Besuch hatten wir jeder einen gemischten Vorspeisenteller bestellt, das Ergebnis war dann eine gigantische Vorspeisenplatte mit allem, was gerade an Antipasti vorhanden war. So etwas ähnliches hatten wir uns wieder erhofft, aber es natürlich nicht explizit bestellt. Mal sehen, vielleicht klappt es ja das nächste Mal wieder. Denn hier werden wir sicher nicht das letzte Mal gegessen haben.

Name Mediterrane
Angebot Italienisch mediterran
Adresse Zunftstraße 5
Ort Karlsruhe Durlach
PLZ 76227
Land Deutschland
Telefon +49 721 941 6060
Telefax +49 721 941 6062
Email
Homepage http://www.mediterrane-restaurant.de
Öffnungszeiten Mo.-Sa. 10:00-23:00

Heut geht’s mir gut! 8)

sonata electra - music journey

Vor einiger Zeit bin ich bei einer meiner WWWW - einer World Wide Web Wanderung - über die Seite von Jamendo (www.jamendo.com) gestolpert. Auf dieser Seite können Musiker ihre Werke anbieten, Nutzer können diese anhören und herunterladen. Heute bin ich auf dieser Seite über die CD “music journey” der Gruppe “sonata electra” gestolpert. Unter Gruppe versteht man ja im Allgemeinen mehrere Personen, hier aber handelt es sich um eine Person und einen “ordinateur”, also einen PC.

Am 12. November kam deren erste CD auf den freien Markt (man kann also die Musik kostenfrei weitergeben und auch selbst weiterverarbeiten, so lange man auf die Lizenzbedingungen verweist).

Bitte hier drücken, um einen Titel abzuspielen:

Die Sounds sind gefällig, die Kompositionen passen, die Auswahl der Instrumente stimmt auch. Aber offensichtlich fehlt dem Musiker der starke Produzent, der den Stil der Musik beeinflussen kann. Hier stehen wir einem Konglomerat von verschiedenen Stilrichtungen gegenüber, dem man genau anhört, dass der Künstler alles, was er für gut hält, in ein Album hineinbringen will. Ob es sich um den unverhofften Wechsel zwischen Tonarten, das abrupte Ende von Melodien oder Titeln oder das Einfließenlassen von Toneffekten handelt, es wird alles ausprobiert und angeboten. Das aber geht dann im Endeffekt nicht auf. Mal sehen, wie sich der Künstler bei seinem zweiten Album präsentieren wird.

Hubs

Heut geht’s mir gut! 8)

Linsen mit Saite und Spätzle

Der Mensch lebt nicht von der Gänseleber allein, manchmal muss es bodenständig sein. Dies gilt gerade für den Winter, und dies gilt speziell für Leute, die sonst anderen mit ihrem hochwertigen Essen viel Freude bereiten. Gestern nun hatte ich Besuch von Freunden, in deren Restaurant man sehr gutes Essen genießen kann. Und für deren gutes Essen habe ich mich mit einem “Magenfüller” revanchiert, der immer wieder gerne genommen wird: Linsen mit Saite (also Wienerle) und Spätzle. Die Spätzle werden uns die nächsten Tage und Wochen begleiten, dies liegt daran, dass meine Version SEHR beliebt ist. Sicher wegen des Geschmacks, und der basiert darauf, dass meine Spätzle diätpolitisch unkorrekt sind. Bitte alle Internisten bei dem nun folgenden Rezept (für vier Personen) wegschauen!

400 g doppelgriffiges Mehl (auch als Spätzlemehl im Handel, aber ganz normales Weizenmehl tuts auch)
6 Eier (oder mehr, falls man nur kleine bekommt)
100 g Butter
1 TL Salz

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Mehl, Salz und Eier werden in einer Küchenmaschine zu einem glatten Teig verarbeitet, der noch leicht “fließt”. Sollte er mit den sechs Eiern zu fest sein, werden entsprechend mehr zugegeben, bis die Konsistenz stimmt. Der Teig ist fertig, wenn er Blasen schlägt. Jetzt werden 20 g geschmolzene Butter untergerührt. Den Teig ca. 10 Minuten ruhen lassen.

In zwei großen Töpfen gut gesalzenes Wasser zum Kochen bringen. Jetzt kommt es darauf an, wieviele Spätzle oder Spatzen produziert werden sollen: Für zwei Personen kann man sie hervorragend vom Brett schaben (wenn man ein passendes Brett besitzt), für mehr Genießer verwende ich den Spätzleschwob, eine Spätzlepresse. Noch einen Tip zur Presse: Nicht von Anfang an mit derselben Kraft pressen, sondern immer wieder kurz absetzen und/oder die Presse nach oben ziehen, dadurch gibt es mal etwas dünnere, mal etwas dickere Spätzle, und manche reissen auch ganz ab. Sie sehen dann fast aus wie handgeschabt. Wenn sie im ersten Topf oben schwimmen werden sie mit einem Schaumlöffel herausgehoben und nach kurzem Abtropfen in den zweiten Topf gegeben. Wenn sie auch dort wieder oben schwimmen (was ganz schnell geht), werden sie mit dem Schaumlöffel in ein Sieb zum Abtropfen gegeben. Von dort landen sie dann entweder auf einem größeren Blech (wenn sie später weiterverarbeitet werden sollen, bei großen Mengen erhält man sonst nur einen großen Spätzlekloß) oder direkt in einer Schüssel. Und jetzt kommt das für den Geschmack wichtigste: Sie werden mit der restlichen, geschmolzenen Butter geschmälzt. Wichtig ist, dass man von Anfang an immer wieder probiert, ob der Geschmack der Spätzle stimmt. Es gibt nichts schlimmeres als ungesalzene Spätzle. ;-)

Parallel dazu werden die Linsen zubereitet. Es ist nicht notwendig, Linsen zu wässern. Irgendwo stand das einmal, und dieses Denken hat sich verfestigt, obwohl es eigentlich noch nie gegolten hat. Noch etwas ist wichtig: Auf “modernen” Linsen steht eine Zubereitungszeit von 35 bis 45 Minuten. Hier muss man sehr vorsichtig sein und die genaue Dauer im Vorfeld schon das eine oder andere Mal ausprobiert haben, denn es kann auch sein, dass die Linsen nach 20 Minuten weich sind. Und wenn man dann erst nach 30 Minuten nachsieht, hat man Linsenbrei… :-(

250 g Linsen
1 Zwiebel
2-3 Knoblauchzehen
1 Lorbeerblatt
4 Wacholderbeeren
20 g Butter
2 EL Mehl
125 ml Rotwein
2-3 EL Rotweinessig
Salz
Pfeffer
100 g Dörrfleisch

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Zwiebel und Knoblauchzehen werden geschält und mit dem Lorbeerblatt, den Wacholderbeeren und den Zwiebeln in 1 Liter kaltes Wasser gegeben und langsam erhitzt. In der auf der Packung angegebenen (und überprüften) Zeit knapp weichkochen. In einem zweiten Topf wird mit der Butter und dem Mehl eine dunkle Mehlschwitze zubereitet, die mit dem Rotwein und der Linsen-Kochflüssigkeit abgelöscht wird. Die Zwiebel, das Lobeerblatt sowie ALLE Wacholderbeeren entfernen und die Linsen zu der Mehlschwitze geben. Mit Essig, Salz, Pfeffer und Rotwein pikant sauer abschmecken. Das klein geschnittene Dörrfleisch sowie die Saitenwürstchen zu den Linsen geben und kurz mitziehen lassen.

Der Wein, den ich zum Kochen verwende, wird normalerweise anschließend auch auf den Tisch gestellt. Ein “Kochwein” ist also in erster Linie ein Wein für den Koch ;-) Ganz nach dem Motto: Man nehme ein Glas Kochwein, und gieß’ es in den Koch rein… An diesem Abend gab es den “Aufwind” vom Weingut Walter Hensel in Bad Dürkheim, eine Cuvée von Cabernet Sauvignon und Sankt Laurent.

Als Vorspeise gab es übrigens eine Flädlesuppe.

Guten Appetit!

Heut geht’s mir gut! 8)

Winterzeit ist Kochzeit!

Ab heute habe ich Urlaub. Ich habe mir die die nächsten drei Wochen freigenommen, und in dieser Zeit werde ich mich ausschließlich um die Dinge kümmern, die mir Spaß machen. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass ich zum ersten Mal das Weihnachtsfest alleine zu Hause verbringen werde. Denn auch und gerade diese Tage bedeuten Stress. Und dem will ich nicht aussetzen.

Was bedeutet das jetzt? Nun, für mich stellt zum Beispiel das Kochen eine Möglichkeit dar, richtig zu entspannen. Selbst wenn ich einen oder mehrere Tage in der Küche verbringen muss, um eine gute Mahlzeit zu produzieren, kann ich mich doch mit Auswahl der Speisen, Einkauf, Vorbereitung und Zubereitung richtig gut auf ein gesundes Maß der Spannung herunterbringen. Deshalb werde ich auch in den nächsten Tage viele Freunde einladen, um denen meine mehr oder weniger gelungenen Gerichte vorzusetzen. Und über einige dieser Kreationen werde ich dann auch hier berichten.

Heut geht’s mir gut! 8)

ganz schön skurril…

Kann man die zehn Finger eines Pianisten durch die acht Schlegel zweier Marimba-Spielern ersetzen? Man kann. Wenn man will. Und man kann es sich sogar anhören. Wenn man sich nicht an der Eigenheit einer Marimba stört, dass zum Halten eines Tons anhaltendes Klopfen mit den Schlegeln notwendig ist. Aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kann man ein interessantes Musikerlebnis genießen.

Zu der Sammlung an Skurilitäten, die sich um Mussorgskys “Bilder einer Ausstellung” herum gebildet haben (weil jeder Komponist des letzten Jahrhunderts geglaubt hat, er müsste sich an dieses Werk wagen), ist nun eine neue hinzugekommen. Das “German Marimba Duo” hat 2001 - und in einer Neuaufnahme 2005 - seine Version dieses impressionistischen Werks eingespielt. Herausgekommen ist eine weitgehend werkgetreue Interpretation der ursprünglichen Klavierversion von Mussorgsky. Ohne Allüren oder Sperenzchen spielen die beiden Marimbaphonisten Matthias Kron und Andreas Schwarz die klassischen zehn Bilder (wobei die eigentlich zusammengehörigen “Katakomben” und “cum mortuis in lingua mortua” als zwei Stücke dargeboten werden), sauber getragen und verbunden durch die Promenade.

bea-deutsches-marimba-duo.jpg

Schwerfällig humpelt der Gnom daher, kaum in der Lage, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Im “alten Schloss” wird - im Gegensatz zur Klavierversion - eher das Schloss dargestellt als der doch eigentlich agierende, leichtfüssige Troubadour.

In den “Tulerien” dann sieht man durch die Interpretation deutlich die Gouvernanten vor sich, die versuchen, die streitenden Kindern auseinander zu halten.

In Bezug auf den “Bydlo” kenne ich kaum eine Darstellung, die die Schwerfälligkeit des Ochsenkarrens besser darstellt als die bassgetragene Version, die hier geboten wird.

Nicht so leicht wie gewohnt kommen die Kücken daher, die in ihren Schalen - halb geschlüpft - durch die Gegend rennen. Hier ist der sonore Klang der Marimbas eher hinderlich.

Wunderbar gestaltet sich dann aber der Dialog zwischen dem reichen, satten, mit einem Vornamen versehene Samuel Goldenberg und dem armen, halb verhungerten, nur mit seinem Rufnamen ausgestattete Schmuyle. Die am Anfang nebeneinanderher laufenden Gestalten wenden sich immer mehr einander zu und geraten gegen Ende in einen richtiggehenden Disput.

Beim “Marktplatz von Limoges” zeigt sich wiederum die Schwäche der Marimbaphone in den höheren Lagen: Das Keifen der Marktweiber wird erst mit den schrillen Obertönen hörbar, die leider in dieser Version fast komplett fehlen.

Ganz anders und gut zu den Instrumenten passend kommen dann die nächsten beiden Bilder daher, die “Katakomben” als Beschreibung der römischen Totenstadt und “Cum mortuis in lingua mortua”, in der Hartmann, der Schöpfer der beschrieben Bilder, selbst dargestellt wird. Er war ja schließlich kurz vor Entstehung des Klavierzyklus verstorben.

Witzig ist dann die Interpretation des Hexenritts von “Baba Jaga”, die als echte russische Hexe wild durch die Gegend fliegt.

Als Abschluss dann die getragene Darstellung des großen Tors von Kiev. Hier zeigt sich leider, dass den Marimbas die Schärfe fehlt, um die Fülle und Exaktheit einer Architekturzeichnung sauber darstellen zu können.

Insgesamt gefällt mir diese Interpretation gut, sie macht Spaß und wird sicher in das dauerhafte Repertoire der Interpretationen auf meinem MP3-Player aufgenommen werden.

Heut geht’s mir gut! 8)

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